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Film "Stille Reserven"

Ruhe in Frieden ist in Zukunft nicht mehr garantiert

Glücklich ist, wer sterben darf. Weniger Glückliche werden nach ihrem Ableben in künstlichen Dämmerschlaf versetzt und vegetieren als Ersatzteillager vor sich hin. Manche werden als Datenträger missbraucht, andere als Leihmütter oder Organspender.Die Untoten sind "Stille Reserven", so der Titel der deutsch-österreichisch-schweizerischen SciFi-Produktion, die Valentin Hitz inszeniert und geschrieben hat. Eine düstere Zukunftsvision, die Rainer Erlers Klassiker "Fleisch" so viel schuldet wie George Orwells "1984".

Ruhe in Frieden ist in Zukunft nicht mehr garantiert

Vincent Baumann (Clemens Schick) ist ein Versicherungsagent, für den sich alles um Selbstoptimierung und -beherrschung dreht.

Das System, das ist ein mächtiger Konzern, ein Staat im Staate. Seine Angestellten residieren in einer abgeschirmten Zone, die Komfort und Luxus bietet, von dem der Pöbel in seinen Quartieren nur träumt. Vincent Baumann (kühl und gut: Clemens Schick) ist ein Vertreter im Dienst des Konzerns, er verkauft "Todesversicherungen", die post mortem die Ruhe in Frieden garantieren.

Als Type wirkt Baumann so aufgeräumt, aalglatt und antiseptisch wie die Räume seiner Versicherung mit ihren uniform grauen Interieurs aus Beton, Stahl und Glas. Dass der Konzern und seine Technokraten null Wärme abstrahlen, lässt sich an jedem Bild ablesen, das Kameramann Martin Gschlacht von den Meetings der Firma abliefert. Mit einem radikalen Gestaltungswillen, dem auch Setdesign, Kulissen und Kostüm folgen. Das Budget von "Stille Reserven" kann nach Hollywood-Messlatte nur ein Witz sein - es dem Film nicht anzusehen, das ist hier die Kunst! Ein Vergleich mit dem minimalistischen Setting von Andrew Niccols "Gattaca" drängt sich auf.

Als der Mann von der Versicherung mit der Tochter eines Klienten anbandelt (gespielt von Lena Lauzemis) verliert er Job, Status und Privilegien. Vincent schließt sich den Rebellen an, die die Stromversorgung des zentralen Leichen-Depots kappen wollen. Als Thriller etwas behäbig, als Stil-Übung sehr konzentriert und imponierend und als beklemmende Dystopie gar nicht so weit hergeholt.

 

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