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Aus für Küchenbauer Alno - Pfullendorf unter Schock

Pfullendorf. Kein Investor will den Küchenbauer Alno übernehmen, damit ist das Ende besiegelt. Am Sitz in Pfullendorf strahlt die Sonne - doch für die verbliebenen Mitarbeiter ist es ein schwarzer Tag.

Aus für Küchenbauer Alno - Pfullendorf unter Schock

Seit dem Börsengang 1995 schrieb der Küchenkonzern bis auf ein Jahr stets Verlust. Foto: Patrick Seeger

Der insolvente Küchenbauer Alno muss endgültig aufgeben. Der Betrieb werde eingestellt, nachdem auch der letzte potenzielle Investor am Ende kein Kaufangebot abgegeben habe, teilte Insolvenzverwalter Martin Hörmann mit.

Die Mitarbeiter sollen bis Ende des Monats die betriebsbedingte Kündigung bekommen. Nur maximal 60 können zunächst bleiben, um spezielle Aufgaben bei der Abwicklung des Unternehmens zu übernehmen.

„Ohne einen Investor, der auch bereit gewesen wäre, entschlossen den Investitionsstau zu beseitigen und zudem erhebliche Mittel für die Fortführung des Geschäftsbetriebs investiert hätte, gibt es leider keine Zukunft für Alno“, sagte Hörmann nach einer Versammlung der Mitarbeiter am Sitz in Pfullendorf.

Verwalter und Betriebsrat hätten sich auf einen Interessenausgleich und einen Sozialplan geeinigt. Was Alno noch an Vermögenswerten hat, soll - wenn möglich - einzeln zu Geld gemacht werden. Dazu zähle auch die Marke, die einen gewissen Wert erzielen könne, sagte Hörmann. Er bedaure das Ende des Unternehmens sehr, „denn ich sehe, was Alno für die Menschen hier in der Region bedeutet“.

Fährt man in den Ort hinein, ist Alno nicht zu verfehlen. Direkt hinter dem Ortsschild weisen an jeder Kreuzung Schilder den Weg zum Werk. Der Küchenbauer war hier bis zuletzt eine Institution und einer der wichtigsten Arbeitgeber. Bald dürften die Schilder abmontiert werden. „Für Pfullendorf ist das Aus von Alno ein schwerer Schlag, das merkt man überall“, sagt eine Passantin auf dem Marktplatz.

Auf dem Parkplatz vor den Toren von Alno herrscht schon kurz nach der Versammlung gähnende Leere. Den wenigen Mitarbeitern, die noch über das Firmengelände trotten, ist die Hiobsbotschaft anzusehen. „Die Hoffnung stirbt zuletzt. Jetzt stehen wir unter Schock“, sagt eine Angestellte, die lieber anonym bleiben und möglichst schnell nach Hause fahren will.

Mehr als zwölf Jahre war sie bei Alno. Sie hat Haus und Familie in der Nähe, ein Umzug kommt nicht infrage. Ein 42-jähriger Kollege kann sich durchaus vorstellen, für einen neuen Job den Wohnort zu wechseln. Trotzdem stehen ihm die Tränen in den Augen. Zur Versammlung am Morgen hatte er belegte Brötchen mitgebracht. Die Tüte ist noch fast bis obenhin gefüllt.

Einen großen Teil der Beschäftigten hatte Alno zuletzt schon nicht mehr bezahlen können. Rund 400 waren schon freigestellt worden. Sie hatten aber noch keine Kündigung bekommen. 170 blieben übrig, um für den Verkaufsprozess nötige Arbeiten zu erledigen. Produziert wurde schon seit einiger Zeit nicht mehr.

„In letzter Zeit war die Stimmung angespannt. Im Grunde hat das jeder erwartet“, sagt ein Lehrling, der seine Ausbildung nun nicht mehr bei Alno beenden kann. Mit ein paar Azubi-Kollegen hockt er am Kofferraum seines Autos. Die Jugendlichen haben die Musik aufgedreht.

Der Küchenbauer hatte im Juli einen Insolvenzantrag gestellt. Seitdem hatte Hörmann versucht, einen Käufer zu finden. Dem Vernehmen nach wurde zuletzt noch mit einem Interessenten aus dem asiatischen Raum verhandelt. Das Land Baden-Württemberg hatte potenziellen Investoren Unterstützung in Aussicht gestellt. Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) sprach von einem schwarzen Tag für die Region und die betroffenen Beschäftigten.

Um Alno stand es schon länger schlecht. Seit dem Börsengang 1995 schrieb der Küchenkonzern bis auf ein Jahr stets Verluste. Auch der Einstieg der bosnischen Investorenfamilie Hastor brachte keine Wende. Stattdessen entwickelte sich nach der Insolvenz eine juristische Schlammschlacht zwischen neuen Investoren und geschassten Chefs.

Für einige Zeit sollen jetzt noch mit einigen Mitarbeitern Teile für Pino-Küchen gefertigt werden. Das auf das Billigsegment spezialisierte Tochterunternehmen aus Coswig (Sachsen-Anhalt) war Anfang Oktober an eine Investorengruppe um den Marktführer Nobilia aus Ostwestfalen verkauft worden. Damit wurden die Jobs von 230 Mitarbeitern gesichert. Bei einer anderen Tochter, Wellmann aus Enger (Nordrhein-Westfalen), wo 400 Menschen arbeiteten, verlief die Investorensuche hingegen erfolglos.

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