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Boxweltmeister Charr mit Pass-Lüge auf Selbstdemontage

Hamburg. Charr hat nicht die Wahrheit gesagt. Jetzt kommt raus: Er ist kein Deutscher. Mit seinen Räubergeschichten schadet er sich selbst. Schmälert dies auch seine sportliche Leistung und den Wert seines Weltmeistertitels?

Boxweltmeister Charr mit Pass-Lüge auf Selbstdemontage

Sorgt außerhalb des Boxrings weiter für Schlagzeilen: Schwergewichts-Weltmeister Manuel Charr. Foto: Guido Kirchner

Manuel Charr hat sich in ein Geflecht aus Unwahrheiten und Fiktionen verstrickt. Der Boxweltmeister, der noch vor Tagen beteuert hatte, deutscher Staatsbürger zu sein, musste nun kleinlaut eine Lüge einräumen. Er ist kein Deutscher.

„Ich möchte mich beim deutschen Volk entschuldigen, dass ich behauptet habe, der Pass liege auf dem Amt zum Abholen bereit“, sagte der im Libanon geborene Sohn eines Syrers dem Kölner „Express“. „Ich habe mich in den letzten zwei Jahren auf die Arbeit und die Aussagen meiner Anwälte verlassen, die sich um das Verfahren kümmern wollten.“

Nach Informationen der Zeitung soll Charr 2015 einen Antrag auf Einbürgerung gestellt haben. Dieser sei aber abschlägig beschieden worden. „Dass ich jetzt einen neuen Antrag stellen muss und auch werde, versteht sich von selbst“, sagte der Boxer. „Ich fühle mich vom Herzen her schon lange als Deutscher und möchte auch alle staatlichen Vorgaben erfüllen, um dieses Stück Papier endlich in den Händen halten zu dürfen.“ Bei „Stern TV“ von RTL erklärte Charr: „2015 habe ich die Einbürgerung über meine Anwälte beantragt.“ Davon, dass der Antrag abgelehnt worden sei, „weiß ich nichts“, sagte der 33-Jährige.

Ja, was denn? Gibt es einen neuen Antrag, oder wird der alte noch bearbeitet? Das Gestrüpp aus Dichtung und Wahrheit wird immer undurchlässiger. Charr versteht die Aufregung um das „Stück Papier“ nicht. Schließlich lebt er schon 28 Jahre in Deutschland, fühlt sich in Köln pudelwohl.

Deshalb, so sieht er es, sei er auch ohne Pass Deutscher. Als Beweis dafür präsentierte er im Interview bei Sky seine ADAC- und Bankkarte. Noch Tage zuvor hatte er feierlich erklärt, nur einen Pass zu besitzen, und zwar den deutschen. Das war ihm sogar die Worte wert: „Ja, ich schwöre es! Ich bin seit eineinhalb Jahren Deutscher.“

Die Einordnung in die Ahnenreihe des deutschen Boxens ist nunmehr hinfällig. Charr ist nicht der erste deutsche Weltmeister im Schwergewichtsboxen seit Max Schmeling vor 85 Jahren. Er ist erster Schwergewichtschampion aus dem Nahen Osten. Das ist eine ebenso große historische Leistung, zumal nur sieben Monate nach der Implantation zweier künstlicher Hüftgelenke. Der Gewinn des WM-Gürtels der WBA mit dem Sieg über den Russen Alexander Ustinow am vergangenen Samstag hat Gewicht unabhängig von der Diskussion um die Staatsbürgerschaft. Charr ist Weltmeister. Punkt.

Die Pass-Lüge macht ihn nicht zum Verbrecher. Aber Charr hat in der Öffentlichkeit an Vertrauen verloren, an Sympathie und an Anerkennung. Wie heißt es im Volksmund: Wer einmal lügt, ... In Charrs Fall ist das noch komplizierter, da er in der Vergangenheit ins kriminelle Milieu abgedriftet war. Er saß in Untersuchungshaft, stand vor Gericht, wurde freigesprochen. Er wurde angeschossen, der Täter sitzt im Gefängnis.

Dass er schwört, sich von der dunklen Vergangenheit losgesagt zu haben, um ein anderer, verantwortungsvoller Manuel Charr zu sein, möchte man ihm gönnen und glauben. Er will, wie er sagt, Vorbild für andere sein, die sich von Problemen nicht aus der Bahn werfen lassen sollen, die nach Niederschlägen wieder aufstehen und durch einen starken Willen Rückschläge überwinden. Von nun an wird es Charr jedoch schwerer haben, dass man ihm seine Bekenntnisse abnimmt. Sein Management könnte ihm dabei helfen.

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