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Brandnächte

München. Ein Dorf irgendwo im Voralpenland. Fast alle Männer schlafen mit ein und derselben Frau. Sie stirbt, als ihr Haus in Flammen steht. Jeder weiß etwas - keiner sagt alles. Acht Jahre später bringt eine mysteriöse Mail die Schwester der Toten zurück - und in Gefahr.

Brandnächte

Anwältin Julia Gerber (Sophie von Kessel) und Ex-Kommissar Jens Maurer (Tobias Moretti) kennen sich seit Kindheitstagen. Foto: ZDF/Jürgen Olczyk

Mitten in der Dienstpost steckt die Trauerkarte. Schlicht gehalten, schwarzer Rand. Sie informiert Anwältin Julia Gerber über den Tod eines Mannes, der vor acht Jahren ihre Schwester umgebracht haben soll.

Zudem bekommt sie eine Mail ohne Absender, die Zweifel an der Schuld des psychisch kranken Täters weckt. „Der kleine Schwachsinnige hat einfach gepasst“, muss Gerber einräumen. Nie habe sie hinterfragt, ob der Mann wirklich das Haus in Brand steckte, in dem ihre Schwester starb. Um diese Frage zu beantworten, fährt sie zurück in ihr kleines Heimatdorf irgendwo im Alpenvorland.

Hier kennt jeder jeden. Auch Gerber ist per Du - mit Psychologin Lisa Poldack, die Gutachten über den mutmaßlichen Mörder verfasst hat. Mit dessen Vater Johannes Falk. Und mit dem ehemaligen Ermittler Jens Maurer, der inzwischen vom Dienst suspendiert ist - wegen „persönlicher Probleme“, wie es heißt. Er hängt an der Flasche.

Sie alle kennen sich seit Kindheitstagen. Das verschafft Gerber einerseits einen recht einfachen Zugang zu möglichen Informationen. Andererseits muss sie bei der Suche nach dem wahren Täter ihren Bekannten allesamt misstrauen. Die scheinen auch längst nicht alles preiszugeben, was sie wissen. Aus dem spannungsgeladenen, vielschichtigen Verhältnis zwischen den Figuren entwickelt Autorin Hannah Hollinger den packenden Krimi „Brandnächte“. Das ZDF zeigt ihn am Montagabend (20.15 Uhr) als „Fernsehfilm der Woche“.

In den Hauptrollen überzeugen Sophie von Kessel als Anwältin Gerber, Tobias Moretti als Ex-Kommissar, Barbara Auer als Psychologin und Nikolaus Paryla als Vater des vermeintlichen Mörders, der seit einer missglückten Sprengung im Rollstuhl sitzt. Einen Bufdi aus dem Seniorenstift stiftet er dazu an, im Wald kranke Vögel zu schießen, die beide anschließend präparieren. Nicht nur diese Aufgaben übernimmt der schweigsame, loyale Begleiter. Seinen Sohn bezeichnet Falk selbst als irre. Trauer scheint ihm der Tod nicht zu bereiten.

Die Akten zu dem mörderischen Brand von damals sind verschwunden. DNA-Spuren am Tatort, Rußspuren im Gesicht des Verdächtigen und nicht zuletzt dessen Geständnis nach drei Tagen Befragungen sprechen eigentlich für sich. Doch Gerbers Zweifel werden immer stärker.

Die Bilder sind in blassen Farben gehalten (Regie: Matti Geschonneck, Kamera: Theo Bierkens). Meist mit kaltem blau-grauen Schimmer, der im nebligen Frühjahr frösteln lässt. Nur selten erzeugt eine Sepiatönung etwas Wärme. Das unterstreicht die angespannte Situation.

Stück für Stück kommt Gerber dahinter, dass so gut wie jeder Mann im Dorf eine Affäre mit ihrer Schwester hatte. „Sophia wollte Gutes tun an uns Männern“, sagt der Vater des mutmaßlichen Täters einmal. Die Anwältin bleibt da überraschend ruhig und resolut. Mit der Zeit muss sie sich aber auch fragen, welche Rolle ihr Lebensgefährte spielt, welches Verhältnis er zur Schwester hatte, wie der Journalist an Informationen für exklusive Geschichten kam. Und was ein geplanter Kraftwerksbau damit zu tun hat. Nur nach und nach sieht sie klarer.

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