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„Brimstone“: Terror im Wilden Westen

Berlin. Der Wilde Westen - ein Sehnsuchtsort? Nicht in diesem Film: Der Thriller „Brimstone“ inszeniert mit viel Gewalt den Terror eines fanatischen Predigers.

„Brimstone“: Terror im Wilden Westen

Guy Pearce gibt den psychopathischen Tyrannen. Foto: Kinostar

Weite Ebenen, mächtige Wälder, idyllische Lichtungen: Die archaischen Naturlandschaften im Neo-Western „Brimstone“ bedienen für sich genommen die verheißungsvollen Mythen des Genres. Doch die Schönheit der Wildnis trügt.

Für Dakota Fanning in der Rolle der Heldin wird sie zum Schauplatz eines zweieinhalbstündigen Horrortrips. Der niederländische Regisseur Martin Koolhoven erzählt sein verstörendes Epos aus der Perspektive der Frauen, vor allem aus eben jener der Protagonistin Liz. Sie ist außer sich vor Angst: Denn in dem Priester (Guy Pearce), der neu in ihre kleine Gemeinde kommt, erkennt sie einen psychopathischen Tyrannen wieder, der sie seit langer Zeit mit brutaler Feindseligkeit verfolgt. Nur ihrem Mann kann die stumme Liz das nicht erklären. Die Konflikte ihrer Vergangenheit sind zu schändlich, um sie zu offenbaren.

Dann spitzt sich die Situation zu. Liz, die als Hebamme arbeitet, muss bei einer Geburt den Säugling töten, um das Leben der Mutter zu retten. Als der Vater des Babys Rache fordert, schreitet der Priester zwar zugunsten von Liz ein, aber nur, um sich ihrer Familie zu nähern und seinen fanatischen Zorn gegen sie und ihren Mann zu richten. Welche Geheimnisse entfachen bloß so viel exzessive Gewalt?

Koolhoven entschlüsselt dieses düstere Rätsel in vier Teilen, in denen er auf die Herkunft der Protagonisten zurückblickt. Die Kapitel sind mit biblischen Titeln versehen: Offenbarung, Exodus, Genesis, Vergeltung. Überhaupt gibt der Furor des frömmlerischen Fanatikers dem Regisseur viele Anlässe, seinen Film mit religiösen Symbolen aufzuladen. „Brimstone“ reiht sich damit in die Tradition von Italowestern wie Sergio Garrones Meisterwerk „Django und die Bande der Bluthunde“ ein.

Unter den europäischen Western gilt Koolhovens Schocker nach dem dänischen Epos „The Salvation“ jedenfalls als erster niederländischer Rachewestern, dessen Neuinterpretation des Spaghettiwesterns vor allem hartgesottene Fans des Genres interessieren dürfte.

Mit dem realistisch inszenierten Kampf der Protagonistin um ihr nacktes Überleben und dem Sadismus ihres Peinigers erinnert „Brimstone“ zudem entfernt an Westernkonventionen, die der US-Regisseur Anthony Mann mitbegründet hat. Wie die Cowboys des Altmeisters sind auch die Männer in Koolhovens Film keine klassischen Helden, sondern gespaltene Charaktere voller Abgründe.

Doch Genre-Zitate sind kein Garant für einen guten Film. Und so reicht „Brimstone“ nicht an italienische oder amerikanische Vorbilder heran. Trotz der hervorragenden Darsteller und der spannenden retrospektiven Erzählweise dürfte der Western mit seiner Überlänge vielen Zuschauern schwerfällig vorkommen. Die Gewaltakte des Priesters werden so explizit ausgebreitet, dass Branchenblätter in den USA ihnen jegliche Sinnhaftigkeit absprechen und den Film auch als Gewaltporno bezeichnen.

Der Wilde Westen ist in „Brimstone“ also niemals Sehnsuchtsort, sondern ein Land des Grauens. Dabei schwankt das Werk zwischen zwei Gattungen: jener der brutalen, aber fesselnden Thriller unter den Western und jener der reißerischen Trashfilme aus den 70er Jahren, deren Gewalt- und Sexszenen oft nicht viel mehr als Langeweile oder Frust erzeugen. Deshalb bleibt es dem Geschmack der Kinogänger überlassen, welcher Kategorie sie „Brimstone“ zurechnen mögen.

- Brimstone, Niederlande, Großbritannien, Frankreich, Deutschland 2016, 148 Min., FSK ab 16, von Martin Koolhoven, mit Dakota Fanning, Guy Pearce und Kit Harington.

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