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Demenzrisiko in Europa sinkt

München. Wenn Vergessen zur Krankheit wird: Viele Menschen fürchten, im Alter dement zu werden. Doch Demenz ist nicht nur Schicksal. Ärzte berichten über eine erfreuliche Entwicklung.

Demenzrisiko in Europa sinkt

Eine auf Demenzkranke spezialisierte Altenpflegerin hält die Hand eines demenzkranken Mannes. Foto: Daniel Karmann/Symbolbild

Trotz der höheren Lebenserwartung in der westlichen Welt verzeichnen Ärzte keine Zunahme von Demenzerkrankungen. Es gebe weniger neue Fälle als erwartet, sagte Robert Perneczky, Leiter der Abteilung für Gerontopsychiatrie an der Klinik der Ludwig-Maximilians-Universität in München.

„Das Demenzrisiko geht in unseren europäischen Ländern zurück.“ Das hätten übereinstimmend Studien in Schweden, England sowie in den USA gezeigt.

Hauptgründe für die positive Entwicklung sei die bessere Lebensführung mit Bewegung und gesunder Ernährung sowie ein insgesamt besserer Bildungsstand, sagte Perneczky. Er leitet am Freitag und Samstag den internationalen Kongress „ResDem“ an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der LMU.

Dabei sollen rund 200 klinische Wissenschaftler mit Grundlagenforschern zusammenkommen, unter ihnen Yaakov Stern aus New York als einer der renommiertesten Demenzforscher weltweit. Die Wissenschaftler wollen vor allem beraten, wie die Ressourcen gegen Demenz gestärkt werden können - denn heilbar ist das krankhafte Vergessen bisher nicht.

In Afrika und Asien sind laut Perneczky anders als in der westlichen Welt Demenzerkrankungen auf dem Vormarsch. „Es ist nach wie vor eine Epidemie“, sagte Stern. Aber oft entwickelten sich die durch die Krankheit bedingten Einschränkungen verzögert. Es gehe nun darum, diese Plastizität des Gehirns zu nutzen, um die Folgen der Erkrankung länger ausgleichen zu können. Bildung und geistige Beschäftigung seien ein wesentlicher Faktor. Intelligenz allein schütze allerdings nicht. „Viele brillante Menschen bekommen Alzheimer“, sagte Stern.

Zu rund 30 Prozent könne das Demenzrisiko durch gesunde Lebensweise reduziert werden, sagte Perneczky. Medikamente könnten bisher nur den Verlauf etwas verlangsamen. Hoffnungen auf eine Art Impfung, die eine Bildung von Eiweißablagerungen im Hirn verhindern sollte, hätten sich bisher nicht erfüllt. Die Eiweißplaques, die als Ursache der Zerstörung von Hirnsubstanz gelten, seien zwar nach der Immunisierung teils nicht mehr nachweisbar gewesen. Die Demenz sei aber dennoch vorangeschritten.

In Deutschland leben fast 1,6 Millionen Demenzkranke; zwei Drittel von ihnen leiden an Alzheimer. Die Ursachen für Demenz seien multifaktoriell. Es gebe eine erbliche Komponente. Zudem steigere alles, was Herz-Kreislauferkrankungen bedinge, auch das Demenzrisiko. Dazu zähle Rauchen, zu viel Alkohol, zu wenig Bewegung, Übergewicht, Bluthochdruck und Diabetes. „Alles, was das Gefäßsystem schädigt, schädigt auch die Gefäße im Gehirn und erhöht das Demenzrisiko“, sagte Perneczky. Die gute Nachricht sei: „Wir sind der Demenz nicht hilflos ausgeliefert. Jeder hat seine Lebensgewohnheiten im Griff und kann dadurch die Gesundheit des Gehirns positiv beeinflussen.“

Neben den Eiweißablagerungen im Hirn können Krankheiten sekundär zu einer Demenz führen, etwa eine schwere Schilddrüsenunterfunktion oder Depression. Beides sei heilbar. Deshalb sei es wichtig, bei ersten Symptomen zum Arzt zu gehen. „Meistens beginnt es mit einer Vergesslichkeit, die jeder Ältere hat. Auffällig wird es, wenn es einen negativen Einfluss auf die Alltagsbewältigung hat.“

Grundsätzlich steigt das Risiko einer Demenz mit dem Alter. Liege es bei 65-Jährigen bei einem Prozent, steige es im Alter von 70 bereits auf fünf und im Alter von 80 auf 15 Prozent. Bei den 85-Jährigen sind es 25 Prozent, bei den 90-Jährigen bis zu 50 Prozent. Das bedeute aber auch, dass die Hälfte der 90-Jährigen nicht an Demenz leide.

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