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„Wenn der Melder piept, muss man zum Einsatz“

Eike Eilers - Menschen helfen, Leben retten

Es ist mitten in der Nacht, Eike Eilers hat einen Einsatz. In einem Einfamilienhaus lodert ein Feuer. Jetzt muss alles ganz schnell gehen. Es ist so heiß, dass die Farbe von den Wänden läuft. Was sich im Haus verbirgt, ist ungewiss. Mitten im Geschehen, steht Eike Eilers und seine Kameraden. Freiwillig. Er hat kein Helfersyndrom, aber der große, dunkelblonde Kerl liebt es, anderen zu helfen und ist fasziniert von der Feuerwehr, besonders von den Gesetzen der Physik, ein Schwerpunkt seines damaligen Informatik-Studiums.

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Foto: Tom Tautz

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Von Sylke Sdunzig

Eike, dessen Familie die Begeisterung für die Feuerwehr teilt, hat schon viele Brände gelöscht und Menschen gerettet. Ehrenamtlich versteht sich. Hauptberuflich arbeitet Eike bei der Volksbank in Jever, doch wenn der Piepser geht, zieht er die blaue Uniform an und - los geht’s!

Ein ganz normaler Tag im Leben von Eike Eilers, Jahrgang 1983 sieht so aus: Aufstehen, frühstücken, denn um acht ist Arbeitsbeginn in der Bank, in der er schon seit 17 Jahren arbeitet. Dabei hätte kein Mensch je gedacht, dass er, dessen Lieblingsfach Mathe nie war, je bei der Bank landen würde. Bei der Volksbank Jever eG in Jever ist Eike Teamleiter im Bereich Medialer Vertrieb und Zahlungsverkehr, wie es offiziell heißt. Das heißt, er ist zuständig für den Bereich Online-Banking, für EC-Karten, Kreditkarten und Kassenterminals. Als wir das Büro betreten, wird klar, wofür Eikes Herz schlägt. „Meine Kollegen nennen mein Büro das Katastrophenzimmer, weil an den Wänden Bilder von Brandeinsätzen hängen, oder Modellfeuerwehrautos auf den Regalen zwischen den Ordnern stehen“. Regelmäßig stehen Besprechungen und Planungen auf seiner Agenda. Geht sein Funkmelde-Empfänger los, den er, seitdem er 16 ist, immer am Gürtel trägt, lässt er alles stehen und liegen: „Dann geht es flott, es wird alles gegriffen, was man so braucht, man rennt zum Auto, Blaulicht an und ab geht’s zum Einsatz. Das Schöne ist bei uns, dass das Ehrenamt hoch angesehen wird und als Mitglied der Feuerwehr erst recht.“

Toleranter Arbeitgeber

Auch für die Bank ist Eikes Einsatz und die damit verbundene Rufbereitschaft selbstverständlich: „Die Arbeitgeber sind ja gesetzlich verpflichtet, einen für den Feuerwehreinsatz freizustellen. Aber ich habe einen sehr toleranten Arbeitgeber, der das möglich macht und nicht meckert, wenn ein Einsatz mal länger dauert. Sonst wäre das gar nicht möglich. Zumal immer weniger Leute im Wangerland selbst arbeiten, daher ist es entscheidend, dass diese Leute von der Arbeit wegkönnen und weiterhin zur Verfügung stehen.“

Größte Feuerwehr im Landkreis Friesland
Ohne die Freiwilligen Feuerwehren geht es einfach nicht, und das nicht nur im Wangerland an der Nordsee. Denn in den kleinen Ortschaften sind es immer die ehrenamtlichen Helfer, die die Einsätze stemmen und anrücken. Im Wangerland gibt es sieben Ortsfeuerwehren mit rund 200 Ehrenamtlichen, es ist die größte Feuerwehr im Landkreis Friesland: „100 Prozent aller Einsätze hier werden von Freiwilligen Feuerwehren abgearbeitet, weil wir keine Hilfe von den Berufsfeuerwehren anfordern können“, erklärt uns Eike. Um für genügend Manpower zu sorgen, hat es sich bewährt, tagsüber mindestens zwei Feuerwehren zu alarmieren.

Eikes Engagement bei der Feuerwehr geht so weit, dass er dort sogar in einer Doppelfunktion tätig ist. In Hohenkirchen ist er seit 2009 als Ortsbrandmeister; zusätzlich ist er seit zwei Jahren auch Gemeindebrandmeister der Freiwilligen Feuerwehr der Gemeinde Wangerland und ist damit für das gesamte Wangerland zuständig. „Das ist so mehr eine administrative Tätigkeit, also planen, organisieren, machen, man hat ja den Ortsbrandmeister vor Ort. Aber je nachdem, wie groß der Einsatz ist, kommt der Gemeindebrandmeister dazu.“

Große Herausforderung

Die Faszination für die Feuerwehr, die ist ungebrochen. Eikes Augen leuchten, zum Beispiel, wenn er vom gemeinsamen Spaß und der Kameradschaft spricht. Und der Herausforderung: „Man bekommt da einen 13 Tonnen schweren Werkzeugkasten, damit meine ich unser Fahrzeug, und dann heißt es: Lass dir was einfallen! Aber wenn uns nichts einfällt, dann fällt keinem mehr was ein. Ich kann bei einem Einsatz auch nicht sagen: ‚Oh, das ist mir zu groß, ein Chemieunfall. Ich brauche jetzt mal die Profis von der Berufsfeuerwehr.‘ Das Abarbeiten bleibt nun mal bei den Freiwilligen Feuerwehren vor Ort. Und da ist alles außer Kraft gesetzt, was sonst in geregelten Bahnen läuft. Und wir müssen dafür sorgen, dass wir schnell einen Überblick bekommen: Was ist Sache, was ist wichtig? Für mich ist die Herausforderung, was so ein Einsatz mit sich bringt.“

Dabei geraten Eike und seine Kameraden nicht nur in gefährliche, sondern auch in außergewöhnliche Situationen. Und schon wieder ist da diese Begeisterung in Eikes Stimme: „Das ist das Coole an der Feuerwehr, dass dir jemand zeigt, wie kommst du an der Windkraftanlage hoch und runter? Oder dass du da oben mal rausgucken kannst. Das ist eben die Faszination, dass du alle Sachen ausprobieren kannst.“

Job hat auch negative Seiten

Der Job hat aber auch seine negativen Seiten: „In der Regel fahren wir auch dahin, wo keiner sein will. Wer hat denn Lust, zu einem Unfall dazu zukommen? Oder auf einen Großbrand?“ Zum Beispiel wie der bei einem Landtechnik- und Landmaschinen Händler - eine Grenzsituation für Eike und seine Kollegen: „Da haben wir Glück gehabt, dass die Feuerwehrleute gesund geblieben sind. Das ist meine Aufgabe, als Einsatzleiter zu schauen, dass alle heile nach Hause kommen. Der Einsatz war aufgrund der Gefahrensituation eine enorme Herausforderung für alle Beteiligten und wir haben für eine Entscheidung zwischen zwei und zehn Sekunden. Bei dem Unternehmen sagte uns der Brandursachenermittler, es wäre egal, mit wie viel Feuerwehrleuten wir da gewesen wären, wir hätten das nicht in Griff kriegen können. Dann brannte es komplett, es gab Explosionen. Wir haben es gerade so geschafft, dass unser Fahrzeug wegfährt. Da kann man echt froh sein, wenn keiner zu Schaden kommt.“

Trotz aller Gefahr - bei der Feuerwehr zu sein und zu bleiben, ist für Eike eine Lebensentscheidung; glücklicherweise lässt sich sein Engagement mit der Familie ganz gut vereinbaren, weil das Feuer, um dieses Wortspiel zu bemühen, längst auch auf seine Frau Ina und die beiden Kinder übergesprungen ist. Ina, eine taffe Frau und Mutter von zwei Kindern, ist ebenfalls aktives Mitglied bei der Freiwilligen Feuerwehr und kümmert sich um die Kinderfeuerwehr, in der auch ihr 8-jähriger Sohn Jelko ist: „Meine Jungs lieben es, mit dem Blaulicht zu fahren“, schmunzelt Ina.

Keine Nachwuchssorgen

Nachwuchssorgen, wie in Niedersachsen, kennt man bei der Freiwilligen Feuerwehr im Wangerland nicht, erzählt sie: „In der Kinderfeuerwehr haben wir aktuell 15 Kinder, um die 30 Kinder stehen auf der Warteliste, die ich alle nicht aufnehmen kann.“ Ansonsten steuert Ina, ganz selbstverständlich den 11-Tonner-Werkzeugkasten und die Männer der Freiwilligen Feuerwehr zu ihren Einsätzen. Die Kinder werden in der Zeit von den Großeltern oder Nachbarn betreut. „Hier auf dem Dorf kennt jeder Jeden und alle kennen uns. Hier wird Hilfsbereitschaft noch ganz groß geschrieben“, erzählt uns Ina. Während Jelko später mal Polizist und Feuerwehrmann werden will, ist für den 3-jährigen Wilke alles noch ein Spiel: „Das Spielzeug von Playmobil und Lego ist bei ihm alles von der Feuerwehr“, lacht Eike.

Ein Leben ohne Feuerwehr ist für Eike und auch für seine Frau Ina unvorstellbar: „Ich mach das jetzt seit fast 20 Jahren. Kein Einsatz ist wie der andere, das macht den besonderen Reiz aus. Und es ist einfach toll, wenn man den Menschen geholfen oder ein Leben gerettet hat.“

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