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Grundschüler lernen programmieren

Dolgesheim. Für Maurice und Turan gehört der Unterricht mit dem Tablet-Computer zum Alltag. Ihre Schule in Rheinhessen hat schon früh damit angefangen, die Fibel um Apps zu ergänzen. Bei Hardware und Fortbildung muss noch am meisten getan werden.

Grundschüler lernen programmieren

In der Grundschule in Dolgesheim werden Tablet-Computer im Unterricht eingesetzt. Die Schüler werden dabei ans Programmieren herangeführt. Foto: Andreas Arnold/dpa

„Programmieren ist sehr einfach“, hat Maurice festgestellt. Der Neunjährige besucht die Grundschule in Dolgesheim und ist nach dem regulären Unterricht noch in der Arbeitsgemeinschaft „Lego WeDo“ dabei.

Jetzt baut Maurice mit der ein Jahr jüngeren Turan aus Lego-Steinen einen Frosch: Das Modell bekommt zwei Sensoren und einen Motor, die mit einer App auf dem Tablet-Computer programmiert werden. „Da muss man nachdenken“, erklärt Turan mit leuchtenden Augen.

Die rheinhessische Grundschule gehört zu den Pionieren bei der Einbindung von digitaler Technik in den Unterricht. Das liegt auch an Rektorin Barbara Neßler, die schon früh angefangen hat, Lehrer und Schüler dafür zu begeistern: „Ich will nicht, dass der Zug irgendwann abgefahren ist und wir es dann bereuen, nicht früher damit angefangen zu haben.“ Wenn manche Eltern noch Bedenken haben, antwortet sie: „Die digitale Welt gehört zur Lebenswirklichkeit der Kinder dazu, und wir können uns dem an den Grundschulen nicht verschließen.“

Dolgesheim war bereits eine von zwölf Pilotschulen in Rheinland-Pfalz, die das Landesprogramm „Medienkompetenz macht Schule“ auf den Unterricht in den ersten vier Klassen übertrugen. In diesem Schuljahr sind 125 Grundschulen regulär dazu gekommen, im nächsten sollen es dann insgesamt 250 werden.

„Die Digitalisierung macht auch vor den Grundschultoren nicht Halt“, sagt Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD). „Es ist wichtig, dass wir unseren jüngsten Schülerinnen und Schülern beibringen, kompetent und sicher mit digitalen Medien umgehen zu können.“ Dies sei kein Selbstzweck. Tablets unterstützten nicht nur die individuelle Förderung von Schülern, sondern auch Zusammenarbeit und Austausch.

„Ein solches Projekt steht und fällt mit der IT-Ausstattung“, weiß Rektorin Neßler. Und die könnte schon noch besser sein. Für die ganze Schule mit 220 Kindern in zwölf Klassen gibt es bislang 13 iPads - da gibt es noch Luft nach oben. Die Kosten trägt die Verbandsgemeinde Rhein-Selz als Schulträger. Auch die Apps müssen für jedes Gerät einzeln gekauft werden.

„Finanziell ist das durchaus ein Kraftakt für uns, aber wir machen das gerne“, sagt der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Rhein-Selz, Klaus Penzer (SPD). Unterstützung bekommt die Kommune aus dem Landesprogramm „Medienkompentenz macht Schule“, das vor zehn Jahren zunächst für die weiterführenden Schulen gestartet wurde. Die Digitalisierung der Schulen sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, sagt Penzer. „Da wir in einem Landkreis leben, der der Bildungslandkreis Nummer eins sein will, sollten die Grundschulen nicht zurückstehen.“

Dort werden die Tablet-Computer ganz unterschiedlich im Unterricht eingesetzt. Ein Gesamtkonzept für die Schule muss noch entwickelt werden, in Abstimmung mit dem Pädagogischen Landesinstitut. Aber viele Lehrerinnen tragen schon jetzt mit eigenen Ideen dazu bei.

So bekommen Erstklässler die Aufgabe, auf dem Schulgelände solche Gegenstände mit dem iPad zu fotografieren, die mit den Buchstaben anfangen, die sie gerade neu lernen. In den höheren Grundschulklassen recherchieren Schüler mit einer Kindersuchmaschine wie fragFinn.de auf dem Tablet-Computer, wie der Schulalltag in anderen Ländern aussieht. Ihre Ergebnisse stellen sie in einer Powerpoint-Präsentation auf dem Notebook zusammen. Auch Lesespiele oder Apps zum Rechnen werden in den Unterricht eingebunden.

Kein Thema ist an der Grundschule der Umgang mit sozialen Netzwerken. Aber die Lehrerinnen sprechen mit den Kindern auch über mögliche Gefahren. Ziel ist ein altersgerechter, sicherer Umgang mit den digitalen Medien.

„Nicht nur die Schüler, auch die Lehrer müssen dort abgeholt werden, wo sie stehen“, sagt Schulleiterin Neßler. Das Kompetenzniveau sei ganz unterschiedlich, unabhängig vom Alter. Um das Niveau der digitalen Fertigkeiten anzugleichen, sei es wichtig, Schulungen und Fortbildungen zu nutzen. Für das nächste Halbjahr plant die Grundschule einen Studientag zum Einsatz von Tablets im Unterricht.

In der AG „Lego WeDo“ geht es ums spielerische Lernen und ums Miteinander. Die elf Jungen und acht Mädchen werden von der Grundschullehrerin Jasmin Höckele in Zweier- und Dreierteams angeleitet, arbeiten dann aber weitgehend eigenständig an ihren Projekten und tauschen sich dabei aus.

Hanna schaut hinüber zu Moritz am Nachbartisch: „Wie habt ihr das gemacht, dass euer Frosch so schnell ist?“ Moritz zeigt ihr, wie der Programmierbaustein für die Motorleistung verändert wird und überträgt die neuen Werte über eine Bluetooth-Funkverbindung auf das Modell von Hanna. „So, jetzt habt ihr ganz viel Geschwindigkeit!“

Statt unverständlicher Codezeilen werden in der von Lego verwendeten Programmiersprache Scratch visuelle Module verschoben. Ihre Anordnung und die Veränderung der Werte folgt derselben Logik wie bei komplexen Programmiersprachen mit ihren Wenn-Dann-Bedingungen und Befehlsschleifen.

Die Kinder sind in ihre Arbeit vertieft, bis die Stunde vorbei ist. Ist das auch richtig zusammengebaut? Turan ist noch skeptisch. Aber Maurice versichert ihr: „Ja, das stimmt. Vertrau mir!“

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