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Joe Henry: Warmer Folk-Jazz auf Topniveau

Berlin. 14 Soloalben hat Joe Henry seit 1986 veröffentlicht - ein schwaches war nicht darunter. Sein aktuelles Werk macht da keine Ausnahme. Mehr noch: „Thrum“ ist auch ohne große Neuerungen ein Karriere-Highlight.

Joe Henry: Warmer Folk-Jazz auf Topniveau

Begehrter Produzent, begnadeter Singer-Songwriter: Joe Henry. Foto: earMUSIC/Glen Hansard

Für manche ist er nur dieser seltsame Schwager von Madonna mit der nasalen Stimme. Für andere immerhin ein Songwriter, der für den Pop-Superstar mal ein erfolgreiches Lied schrieb („Don't Tell Me“). Dabei ist Joe Henry so viel mehr, wie auch sein neues Album „Thrum“ wieder eindrucksvoll beweist.

Es hat natürlich diesen einmaligen, sofort wiedererkennbaren Joe-Henry-Sound: ein erdiger, warm vibrierender und sonor hallender Klang überwiegend akustischer Instrumente; Songs zwischen Folk, Jazz, Blues und nostalgischem (Country-)Pop; sowie diese nicht unbedingt klassisch schöne, aber sehr markante Stimme eines klugen Mannes mit hörbarer Herzensbildung.

Elf formidable Midtempo-Songs und Americana-Balladen enthält „Thrum“ (earmusic/Edel) - eine Platte, die Henrys Oeuvre nicht radikal erweitert, sondern „nur“ bereichert. Noch mehr Raum als auf den Vorgängern erhalten diesmal die Saxofone und Holzblasinstrumente seines hochtalentierten Sohnes Levon.

Doch insgesamt knüpft dieses im kalifornischen Studio von Ryan Freeland mit bewährter Band „live on tape“ eingespielte Album nahtlos an Großtaten wie  „Civilians“ (2007), „Reverie“ (2011) oder „Invisible Hour“ (2014) an. Stilistische Überraschungen wie das elektronisch angehauchte „Fuse“ (1999) oder das mit starken Jazz-Akzenten aufwartende „Scar“ (2001) bleiben aus.

Der am 2. Dezember 1960 in den US-Südstaaten geborene Joe Henry ist nicht nur ein herausragender Singer-Songwriter (viele halten ihn für einen der allerbesten derzeit), sondern auch ein gesuchter Produzent mit Grammy-Lorbeeren - beispielsweise für Solomon Burkes gefeiertes Country-Soul-Spätwerk „Don't Give Up On Me“ (2003). Für hoch angesehene Musiker wie Aimee Mann, Billy Bragg, Bonnie Raitt, Allen Toussaint oder Elvis Costello leistete er als Studiozauberer exzellente Arbeit.

„Thrum“ wird, so ist zu befürchten, den Ruhm dieses äußerst sympathischen, vielleicht zu bescheidenen Künstlers nicht über den Kreis der ohnehin schon Eingeweihten hinaus mehren. Aber wer dem Charme dieser urwüchsigen, ambitionierten Musik schon erlegen ist, der wird auch Lieder wie „Blood Of The Forgotten Song“, „River Floor“, „Now And Never“ oder „Keep Us In Song“ wieder ganz nah an sein Herz lassen.

Solo-Konzerte 2018: 7.2. Hamburg, Prinzenbar, 8.2. Berlin, Quasimodo, 10.2. Bremen, Music Hall Worpswede

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