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Keine Lösung des Atomstreits mit Nordkorea in Sicht

Seoul/Washington. Trotz immer härterer Sanktionen provoziert Nordkorea mit dem Test einer weiteren Interkontinentalrakete. Machthaber Kim Jong Un demonstriert damit, dass er im verschärften Konflikt mit der Supermacht USA nicht nachgeben will.

Keine Lösung des Atomstreits mit Nordkorea in Sicht

Ein Mann blickt in Seoul auf einen Fernseher in einer Bahnstation, der eine Nachrichtensendung zu dem Raketenstart Nordkoreas zeigt. Foto: Lee Jin-Man

Die kurze Phase der Ruhe war am Mittwoch um 3.17 Uhr (Ortszeit) vorbei. Die Hoffnung auf eine mögliche Annäherung im Konflikt zwischen Nordkorea und den USA bekam erneut einen starken Dämpfer.

Nach zweieinhalb Monaten Pause gab Nordkorea seine vermeintliche Zurückhaltung auf und setzte die Reihe der Raketentests in diesem Jahr fort.

Der Start einer weiteren Interkontinentalrakete (ICBM), die die USA erreichen könnte, war ohnehin von vielen erwartet worden. Es geht Pjöngjang um die Perfektionierung seiner Waffentechnik. Nach dem Test erklärte Nordkorea dann auch, seine bisher stärkste ICBM entspreche dem Ziel, die Entwicklung „einer Atomstreitmacht“ abzuschließen.

Die neuartige Rakete vom Typ Hwasong-15 versetze das Land in die Lage, die gesamten Kontinental-USA mit einem Atomsprengkopf anzugreifen, hieß es. Bisher zweifelten jedoch Experten stark, dass das Land einen solchen Gefechtskopf bereits soweit verkleinern kann, dass er auf eine Langstreckenrakete passt.

Die verhaltene Reaktion von US-Präsident Donald Trump direkt nach dem Test überraschte dennoch. Es gab zunächst keine neuen Drohungen an die Adresse Nordkoreas, das Land auszulöschen. Kein stählernes, offizielles Statement an die Nation. Stattdessen wenige, für Trump regelrecht dürre Sätze.

Ja, man werde sich darum kümmern, sagte Trump. Nein, die USA würden ihre Politik nach dem Test nicht ändern. „Das ist eine Situation, mit der wir umgehen werden.“ Danach wechselte er zum Thema Innenpolitik.

Dabei gab das, was US-Verteidigungsminister James Mattis mit dem ihm eigenen Gleichmut am selben Tisch wie Trump sitzend sagte, für Washington Anlass zu großer Beunruhigung. Nordkorea habe seine jüngste Rakete so hoch geschossen wie nie zuvor. Heißt: Eine ICBM mit noch größerer Reichweite bedrohe potenziell jedes Land der Erde. Gleichwohl beharrten die USA auf einer friedlichen Lösung dieser Krise, ließ Außenminister Rex Tillerson im Anschluss wissen: „Diplomatische Optionen bleiben gangbar und möglich - für jetzt.“

Doch Verhandlungen schloss Nordkorea unter Machthaber Kim Jong Un trotz weitreichender internationaler Sanktionen bisher kategorisch aus. Den USA wirft das Land eine feindselige Politik vor. Militärisch betrachtet sich das Land mit Atomwaffen als unangreifbar. Politisch gelten sie als Überlebensgarantie für die diplomatisch isolierte Führung.

Nordkoreas Verhalten deutet unterdessen aus Sicht von Experten auf weitere Tests von Raketen hin, die immer stärker werden. Damit wächst aber auch die Sorge um eine wachsende Instabilität. Ungewöhnlich deutlich warnte zum Beispiel Südkoreas Präsident Moon Jae In mit Blick auf Nordkoreas beängstigender werdendes Raketen- und Atompotenzial, aber auch angesichts der Drohungen Trumps in Richtung Pjöngjang vor einer unkontrollierbaren Verschärfung der Lage.

Auch die bisher eher leise vorgetragene Sorge, die zunehmenden Spannungen in der Region könnten eine erfolgreiche Austragung der  Olympischen Winterspiele im südkoreanischen Pyeongchang im Februar eventuell gefährden, erhielten neue Nahrung. Moon ordnete laut seines Büros eine Überprüfung an, ob sich der jüngste Raketentest des Nachbarlandes auf die Spiele in der an Nordkorea grenzenden Provinz Gangwon auswirken könne.

Mit dem jüngsten Test scheine Nordkorea bei dem Versuch einen „weiteren Schritt vorwärts gemacht zu haben, seine ICBM-Technologie zur Reife zu bringen“, schreibt etwa der Raketenfachmann Michael Elleman auf dem Twitter-Account „38 North“ des US-Korea-Instituts. „Zahlreiche weitere Tests sind nötig, um die Leistung und die Zuverlässigkeit der Raketen zu bestätigen“, glaubt er.

Der US-Experte David Wright schätzt, dass die Rakete, die nach südkoreanischen Angaben etwa 4500 Kilometer in die Höhe ging und danach etwa 960 Kilometer weit flog, bei einer normalen Flugbahn eine Reichweite von über 13 000 Kilometern haben könnte. „Die Reichweite einer solchen Rakete würde groß genug sein, um Washington D.C. und tatsächlich jeden Teil des Festlands der USA zu erreichen.“ Zweifel gibt es bisher allerdings auch daran, ob Nordkorea die Technik beherrscht, dank derer eine ballistische Rakete den Wiedereintritt in die Erdatmosphäre schadlos übersteht.

Nach einem beiderseits auf die Spitze getriebenen Krieg der Worte haben die USA ihre Nordkorea-Politik mit der Überschrift „maximaler Druck“ versehen. Noch versuchen sie, Pjöngjang weiter zu isolieren und auszutrocknen und setzen dabei vor allem auf die Hilfe Chinas. Doch Peking hatte Mitte dieses Monats vergeblich einen neuen Versuch unternommen, auf seinen störrischen Nachbarn einzuwirken. Der ranghohe Sonderbotschafter Song Tao besuchte erstmals seit langem wieder Pjöngjang, doch zeigte ihm Machthaber Kim Jong Un die kalte Schulter, indem er ihn nicht empfing. Eine Lösung des Atomstreits rückt nach dem jüngster Test in noch weitere Ferne.

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