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Küche, Hotel, Friseursalon: Lehre bleibt für viele hart

Düsseldorf. „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“, wird Auszubildenden gerne erwidert, wenn sie sich beklagen. Viele haben aber Grund: von der mangelhaften Prüfungsvorbereitung bis zum Drecksklo in der Berufsschule.

Küche, Hotel, Friseursalon: Lehre bleibt für viele hart

Die Ausbildung als Frisör hat schlecht abgeschnitten. Foto: Britta Pedersen/dpa

Seit zehn Jahren halten sich weitestgehend dieselben Berufe in den Hopp- oder Top-Listen der nordrhein-westfälischen Lehrlinge. Nun stellte der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) NRW in Düsseldorf seinen Ausbildungsreport 2017 vor. Die wichtigsten Ergebnisse:

TOP: Die Berufe mit den besten Bewertungen sind Zerspanungsmechaniker, Industriekaufmann und -mechaniker, Fachinformatiker, Bankkaufmann, Metallbauer und Elektroniker.

HOPP: Am schlechtesten schnitt die Ausbildung der Anlagenmechaniker, Friseure, Köche, Medizinischen und Zahnmedizinischen Angestellten, Hotel- und Steuerfachleute sowie der Lebensmittelverkäufer ab.

DIE KRITERIEN: In die Bewertung flossen vor allem Ausbildungsvergütung, Arbeitszeiten, Umfang und Ausgleich von Überstunden sowie subjektive Bewertungen etwa zum Arbeitsklima und Umgang mit den Lehrlingen ein.

DIE STICHPROBE: Mit einem Fragebogen wurden zwischen September 2016 und April 2017 insgesamt 4255 Auszubildende in den 25 häufigsten Ausbildungsberufen in NRW schriftlich befragt. Die DGB-Jugend erhebt die Daten seit zehn Jahren regelmäßig.

AUFFÄLLIG: „Es sind weitestgehend dieselben Berufe, die von den Azubis als besonders problematisch bewertet werden“, stellt Bezirksjugendsekretär Eric Schley fest. „Dennoch erleben wir kaum Anstrengungen der Arbeitgeberseite.“

DIE GUTE NACHRICHT: Auch in diesem Jahr sind mit über 71 Prozent die meisten Jugendlichen mit der Qualität ihrer Ausbildung insgesamt zufrieden - eine konstante Größenordnung in den vergangenen Jahren.

DIE SCHLECHTE NACHRICHT: Mehr als ein Viertel der Befragten bescheinigt ihrer Ausbildung unzureichende Qualität - auch dies ein konstanter Wert.

DER KLEINE UNTERSCHIED: In typischen Männerberufen erhalten Azubis im dritten Ausbildungsjahr durchschnittlich 850 Euro - in Frauenberufen nur 700 Euro. Hier müssen auch häufiger Überstunden gemacht werden, die zudem seltener ausgeglichen werden als in den Männerberufen.

DIE BERUFSSCHULE: Sie war in diesem Jahr Schwerpunkt der Befragung. Fazit des DGB: „In vielen Bereichen der beruflichen Bildung herrscht ein enormer Investitons- und Reformstau.“ Die Hauptprobleme: Lehrermangel, veraltete Gebäude und Technik, teils zu große Klassen. Nur knapp die Hälfte der Befragten fühlt sich durch die Berufsschule sehr gut oder gut auf die theoretische Prüfung vorbereitet. Wenn in NRW demnächst der Unterrichtsausfall flächendeckend erfasst werde, dürften Berufsschulen nicht ausgeklammert werden, fordert der DGB.

DIE PRAXIS: Richard Reinich, angehender Verfahrensmechaniker aus dem sauerländischen Menden im vierten Lehrjahr, kennt viele Probleme aus eigener Anschauung. „An unserem Berufskolleg ist der Lehrermangel extrem groß“, sagt der 20-Jährige. „Wir hätten schon gerne mehr Fachliches gelernt.“ Englischunterricht habe er in keinem einzigen Lehrjahr erhalten. Zudem habe er nur selten Gelegenheit gehabt, sein theoretisches Wissen in dem einzigen praktisch-technischen Raum zu erproben. „Da wollen viele rein.“ Die Ausbildungsinhalte in Berufsschule und Betrieb seien häufig schlecht synchronisiert.

DAS KLO-PROBLEM: Wer dachte, verdreckte Toiletten habe er mit seiner Regelschulzeit hinter sich gelassen, werde an den häufig stiefmütterlich finanzierten Berufsschulen eines Besseren belehrt, erklärt der DGB. „Die WCs sind sehr schlecht“, weiß auch Richard Reinich aus Erfahrung. „Ich warte lieber bis zuhause.“

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