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Macht der Erinnerung: Das japanische Drama „Happiness“

Berlin. Das Gedächtnis fasziniert Künstler und Filmemacher seit jeher. Der japanische Regisseur Sabu erzählt in „Happiness“ eine gefühlvolle Geschichte von Tragik und Glück.

Macht der Erinnerung: Das japanische Drama „Happiness“

Kanzaki ( Masatoshi Nagase) kommt in einem kleinen verschlafenen Ort in Japan an. Foto: RapidEyeMovies

Die Macht des Gedächtnisses ist schon lange Stoff für dramatisches Kino. Ein Mann auf der Suche nach Antworten, der das Erlebte sofort vergisst, hat in „Memento“ gefesselt. Julianne Moores Darstellung einer Frau mit Alzheimer in „Still Alice“ zeigte, wie sehr Erinnerungen Bestandteil einer Persönlichkeit sind.

Der bewegende japanische Spielfilm „Happiness“ erforscht mit einer fantastischen Handlung die grundlegende Frage, wie glückliche und schmerzvolle Erinnerungen das Leben beeinflussen - und was eine Befreiung von den Erinnerungen bedeutet.

Im Zentrum der Geschichte steht der mysteriöse Kanzaki (gespielt von Masatoshi Nagase). Mit einem sperrigen Koffer im Schlepptau kommt er in einem kleinen verschlafenen Ort in Japan an. Die Bewohner sind wie in einer Trance, lethargisch und freudlos. Dagegen hat Kanzaki ein Heilmittel: Er besitzt einen Helm, mit dem der Träger seine glücklichste Erinnerung erneut durchleben kann.

So setzten die anfänglich skeptischen Dorfbewohner einer nach dem anderen den Helm auf. Sie werden aus ihrer Lethargie gerissen, finden Freude und Leidenschaft wieder. Bald wird klar, dass Kanzaki nicht gekommen ist, um dem Dorf neuen Lebensgeist einzuhauchen. Im Gegenteil. Kanzaki ist auf der Suche nach einer einzigen Person. Denn seine tragische Vergangenheit lässt ihn nicht los. Er setzt seinen wundersamem Helm ein, um dunkle Erinnerungen zu wecken. So wird der mysteriöse Besucher zum Racheengel.

Die Erinnerung ist der Protagonist des Films „Happiness“. Regisseur Sabu („Postman Blues“, „Mr. Long“) erforscht die Macht des Gedächtnisses, Freude zu erzeugen. Gleichzeitig können Erinnerungen auch lähmen und das Leben vergiften. Zunächst wirkt der Film wie Science-Fiction, bald entwickelt er sich zu einer schonungslos ehrlichen Geschichte darüber, wie Menschen mit Erlebten umgehen.

Dabei scheint „Happiness“ mehr ein künstlerisches Werk als ein Spielfilm zu sein. Sabu setzt die Stille der langen Szenen als Stilmittel ein, um Gefühle von Verzweiflung, Wut, Hoffnungslosigkeit und Glückseligkeit zu vermitteln: Im Krankenhaus, in dem die Patienten auf ihre Erlösung warten. In den sonnendurchfluteten Erinnerungen der Helmträger. Im Stadtarchiv, in dem Kanzaki den Namen eines Dorfbewohners sucht.

Mit seltenen Kontrasten in der grauen Welt des japanischen Dorfes erzeugt der Regisseur Spannung. Die wenigen Momente, in denen bunte Farben eingesetzt werden - Blut, rote Blätter auf den Bäumen - oder die Lautstärke aufdreht wird, etwa, wenn die Dorfbewohner aus ihrem Dornröschenschlaf erwachen, vermitteln Dramatik. So hat der Film zwar Längen, regt aber auch viel zum Nachdenken an.

Für ein europäisches Publikum mag der Film zunächst schwer zugänglich sein. Die Stille, die grauen Kulissen und die subtilen Handlungen der Protagonisten überlassen viel dem Zuschauer. Vor allem Nagases bewegende Darbietung als der von Schmerz und Rache eingenommene Kanzaki zieht den Zuschauer in den Bann.

- Happiness, Japan, Deutschland 2016, 90 Min., FSK ab 16, von Sabu, mit Masatoshi Nagase, Hiroki Suzuki, Erika Okuda.

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