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Prognose: Deutscher Wohnungsbau noch Jahre unter Bedarf

München/Wiesbaden. Weil das Sparkonto nichts mehr bringt, investieren viele Bürger in „Betongold“ - und das europaweit. Doch Entlastung für die von rasant steigenden Mieten geplagten Einwohner in vielen deutschen Städten ist nicht in Sicht.

Prognose: Deutscher Wohnungsbau noch Jahre unter Bedarf

Die Baubranche verzeichnet Rekorde. Foto: Christophe Gateau/Symbolbild

In vielen deutschen Städten werden nach Einschätzung von Ökonomen voraussichtlich noch über Jahre Wohnungen fehlen. „Wir müssen 400.000 im Jahr bauen, schaffen aber nur 300.000“, sagte Ludwig Dorffmeister vom Münchner ifo-Institut bei der „Euroconstruct“-Konferenz in München.

Die 100.000 jährlich fehlenden Wohnungen müssten dann später gebaut werden - voraussichtlich bis Mitte des nächsten Jahrzehnts.

Dorffmeister sieht mehrere Gründe für die erwartete Lücke: Engpässe in der Bauindustrie und bei den Baubehörden, fehlendes Bauland in den Städten und gestiegene Baukosten. „Wir haben einige Rahmenbedingungen, die nicht so passen.“ Der Wohnungsbau in Deutschland sei nach wie vor unter dem europäischen Durchschnitt - gemessen an der Zahl neuer Wohnungen pro tausend Einwohner.

In der Euroconstruct-Gruppe arbeiten Wirtschaftsforscher und Immobilienfachleute aus 19 europäischen Ländern zusammen, darunter Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und die Schweiz.

Dem Bauhauptgewerbe bescheren die niedrigen Zinsen und die starke Nachfrage nach Immobilien Rekorde. Im September verzeichnete die Branche das stärkste Neugeschäft seit 18 Jahren, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Der Auftragseingang stieg im Vergleich zum Vorjahresmonat um 2,9 Prozent auf 6,0 Milliarden Euro. Zuletzt war 1999 ein höherer Wert in einem September erreicht worden. Bereinigt um den Effekt von steigenden Preisen und Arbeitstagen legte das Neugeschäft um 1,5 Prozent zu.

Nach den ersten neun Monaten verbucht die Baubranche eine starke Bilanz. Das Ordervolumen wuchs gemessen am Vorjahreszeitraum um 5,4 Prozent. Arbeitstäglich- und preisbereinigt blieb noch ein Plus von 2,5 Prozent. Auch beim Umsatz gab es einen starken Zuwachs: Er schnellte in den ersten drei Quartalen des Jahres um 9,3 Prozent auf 54 Milliarden Euro hoch, erklärte der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie. Das sei der höchste Erlös seit fast 20 Jahren.

Nach Angaben von Dorffmeister wächst die Baubranche erstmals seit Anfang der 1990er Jahren in sämtlichen 19 Staaten gleichzeitig. 2018 könnte sich demnach der gleichzeitige Aufschwung der Branche in allen 19 Ländern fortsetzen, ab übernächstem Jahr rechnet Dorffmeister mit einer leichten Abschwächung. Ab 2019 werde die Bautätigkeit in Deutschland an Schwung einbüßen: „Es wird aber keinen dramatischen Rückfall geben.“

Die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank macht Kredite billig und viele Finanzanlagen unattraktiv: „Der Aufschwung läuft auf lockerem Geld, das ist die Droge“, sagte der Ökonom Thomas Mayer, ehedem Chefvolkswirt der Deutschen Bank, derzeit tätig für die Kölner Vermögensverwaltung Flossbach von Storch.

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