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Rebecca Horn erhält Wilhelm-Lehmbruck-Preis

Duisburg. Rebecca Horn hat in vielen Bereichen der Kunst den Frauen den Weg bereitet. Nun wird die vielseitige Künstlerin mit dem Lehmbruck-Preis geehrt - als erste Frau.

Rebecca Horn erhält Wilhelm-Lehmbruck-Preis

Rebecca Horn wird geehrt. Foto: Everett Kennedy Brown

Rebecca Horn war oft als erste Frau da: Sie war die erste Professorin an der Berliner Hochschule der Künste. Sie hatte als erste Künstlerin eine Einzelausstellung im Guggenheim Museum New York.

Am Freitag wird die 73-jährige Bildhauerin mit dem facettenreichen Werk als erste Frau mit dem renommierten Wilhelm-Lehmbruck-Preis der Stadt Duisburg ausgezeichnet. Horn steht damit in einer Reihe mit Joseph Beuys, Eduardo Chillida, Jean Tinguely oder Richard Serra. Der mit 10 000 Euro dotierte Preis wird erstmals seit zehn Jahren wieder vergeben.

Mit ihren raumgreifenden Skulpturen, die sich in bedächtiger Langsamkeit bewegen, hat Horn ein unverwechselbares poetisches und zugleich irritierendes Werk geschaffen. Im Lehmbruck-Museum wird ihr Lebenswerk bis Anfang April mit der Ausstellung „Hauchkörper als Lebenszyklus“ gewürdigt. „Hauchkörper“, das sind aufrecht stehende meterlange spitze Messingstäbe, die sich wie in einer sanften Brise hin- und herbewegen.

Die meditativen und filigranen Hauchkörper-Installationen hat Horn erst in diesem Jahr geschaffen. Vor zwei Jahren erlitt die Künstlerin, die mit den höchsten Kunstpreisen geehrt wurde, einen Schlaganfall und sitzt seitdem im Rollstuhl. Bezeichnend für ihre Situation könnten die zwei meterhohen Messingstäbe sein, die in Bronze-Abdrücken ihrer Schuhe stehen und von einer Seite zur anderen taumeln.

Die in Berlin, Paris und Bad König im Odenwald lebende Horn ist vieles: sie schafft bewegliche Skulpturen, sie zeichnet zarte abstrakte Bilder, sie dichtet, macht Filme und Performances. Horn entwarf auch Bühnenbilder für große Opernproduktionen. Für die Lehmbruck-Preisjury ist Horn „eine der eigenwilligsten, innovativsten und experimentierfreudigsten Künstlerinnen Deutschlands“.

Bei Horn ist seit Jahrzehnten alles in Bewegung. Die motorbetriebenen Kupferrohre ihres raumfüllenden „Schildkrötenseufzerbaums“ etwa bewegen sich wie Schlangen auf dem Medusa-Haupt, wenn man ihnen nahe kommt. Aus Kupfertrichtern ertönen Stimmen, die von ihren Sorgen erzählen. Hammer an der Wand fangen wie im Dialog an zu klopfen. Auf der alten „Continental“-Schreibmaschine wird das Wort „Amore“ von Metallstäben auf die Tasten gehämmert. Die Installationen sind sinnlich und bedrohlich zugleich. Bereits in den 80er Jahren experimentierte Horn in ihrer „Pfauenmaschine“ mit spitzen Metallstäben.

Horn selbst sieht sich als „Einzelgängerin“ in der Kunst. Dass sie als erste Frau den Lehmbruck-Preis bekommt, erfülle sie mit einer „gewissen Genugtuung“, sagt sie in einem Interview.

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