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Tatort: Böser Boden

Hamburg. Der Bundespolizist Thorsten Falke bekommt es in seinem achten Fall nicht nur mit einem Mord, sondern auch mit militanten Biobauern zu tun. Und Ärger mit seinem Sohn gibt es auch.

Tatort: Böser Boden

Franziska Weisz und Wotan Wilke Möhring bei den Dreharbeiten zum „Tatort“-Krimi „Böser Boden“. Foto: Daniel Bockwoldt

In stockdunkler Nacht liegt mitten im Wald ein Mann verletzt am Boden. Mühsam versucht er aufzustehen. Neben ihm brummt noch der Motor eines Schwertransporters mit dem Kennzeichen „ROW“ - aus Rotenburg an der Wümme in der niedersächsischen Provinz.

Das Ende des Mannes (Hadi Khanjanpour) ist nah, obwohl er verzweifelt versucht zu fliehen und seinem Mörder zu entkommen.

Währenddessen kurvt Kommissar Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) von der Bundespolizei zu fetziger Musik über die Hamburger Reeperbahn. Er will auf der Davidwache seinen halbwüchsigen Sohn abholen. Nach vielen Jahren hat er den in Drogendeals verstrickten Torben endlich gefunden. Aber er verliert ihn gleich wieder durch sein unbeholfenes Vaterverhalten.

Außerdem ereilt Falke ein Anruf seiner neuen Kollegin Julia Grosz (Franziska Weisz). Ein 35-jähriger aus dem Iran stammender Ingenieur habe Asyl und Arbeitserlaubnis erhalten. Und liege nun tot vor dem Betrieb, der ihn 18 Monate zuvor eingestellt hatte. Falke und Grosz fahren aufs Land. Es ist der Auftakt zur „Tatort“-Episode „Böser Boden“ am Sonntag (26. November, um 20.15 Uhr) im Ersten, dem achten Fall mit Möhring in der Hauptrolle. Inszeniert hat ihn erstmals eine Frau - Sabine Bernardi („Der Club der roten Bänder“). Das Drehbuch für den atmosphärisch starken Film, der manchmal etwas verworrren wirkt, stammt von Georg Lippert und Marvin Kren.

Der Tote hatte für seine Firma, die mit der Fracking-Methode Gas aus der Erde fördert, giftige Restflüssigkeiten transportiert. Und die könnten das Grundwasser und die Luft verunreinigt haben, was die örtlichen Biobauern gewaltig aufregt.

Bei diesem Einsatz ist Falke in Gedanken oft bei seinem Sohn. Einmal fährt er sogar zwischendurch zu ihm in die Hansestadt. Und auch mit Grosz hat der Ermittler es nicht leicht, obwohl er sie in Fall sieben („Zorn Gottes“, 2016) selbst als Partnerin ausgewählt hatte. Denn die kompetente Polizistin zeigt sich nach schlimmen Erlebnissen bei einem Afghanistan-Einsatz extrem spröde und verschlossen.

„Die Leute sind befallen“, erklärt sie Falke angesichts der verstört und aggressiv auftretenden Öko-Freaks und ihrer Kinder. „Sehen Sie den Leuten doch in die Augen - sind doch halbe Zombies.“ In der Tat macht der Krimi, der zum Umweltthriller gerät, auch ein paar stilistische Anleihen beim Zombie-Genre.

Was außerdem auffällt, ist der differenzierte Blick auf das gesellschaftlich vieldiskutierte Thema Fracking. Denn einerseits bekommt man zu sehen, wie die Umweltschützer um den Landwirt Jan Kielsberg (Rainer Furch) den Bogen überspannen. Andererseits weiß hier aber auch die Beauftragte der Firma Norfrac überzeugend klingende Aussagen zu machen.

Dem Hauptdarsteller gefällt das: „Der Film verzichtet auf einen moralischen Zeigefinger - und das finde ich wichtig“, sagt Möhring im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. „Solch ein Unternehmen ist in der allgemeinen Betrachtungsweise ja immer der Böse. Es steht für Großkapitalismus und die Belastung der Umwelt. Wird als großer Arbeitgeber als eine Art Sklaventreiber gesehen“, so der Schauspieler. „Und die ökologische Bewegung scheint immer per se die Gute zu sein.“

Aber so ist es nicht automatisch. Schließlich seien nicht das Parteibuch oder die Flagge, die man vor sich hertrage, wichtig, sondern die Art, wie man Dinge tue, sagt Möhring. „Der Zuschauer muss sich da selbst durchfinden und einen Standpunkt gewinnen.“

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