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Umfrage zeigt Unwissen über Depressionen

Berlin. Was ist eine Depression und wie lässt sie sich behandeln? Viele Deutsche haben keine guten Antworten auf diese Fragen. Eine Umfrage zeigt, wie hoch der Informationsbedarf über die Krankheit immer noch ist - besonders mit Blick auf die Ursachen.

Umfrage zeigt Unwissen über Depressionen

Das Unwissen über Depressionen ist groß in Deutschland. Viele meinen, Betroffene müssten sich nur zusammenreißen. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

In Deutschland gibt es mit Blick auf die Krankheit Depression große Wissenslücken. Viele glauben, es reiche schon etwas Disziplin und Nascherei, um aus einem Stimmungstief herauszukommen.

So findet nach einer repräsentativen Umfrage fast jeder Fünfte, dass sich Betroffene zusammenreißen sollten, heißt es im „Deutschland-Barometer Depression“, das die Stiftung Deutsche Depressionshilfe und die Stiftung Deutsche Bahn in Berlin vorstellten.

Ein weiteres knappes Fünftel hält Schokolade für ein geeignetes Hilfsmittel gegen Depressionen. Mehr als 90 Prozent der Befragten glaubten, dass Depressionen durch Schicksalsschläge und Stress verursacht werden. Dabei habe die Krankheit immer auch biologische Ursachen, betonte Ulrich Hegerl, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe.

Für die Studie wurden von Juni bis August 2000 Menschen zwischen 18 und 69 Jahren befragt. Fast ein Viertel (23 Prozent) gab an, dass bei ihnen bereits einmal die Diagnose Depression gestellt worden sei. Mehr als ein Drittel (37 Prozent) weiß um Diagnosen bei Angehörigen oder Freunden. Ein weiteres gutes Drittel (37 Prozent) hatte noch nichts mit der Krankheit zu tun. Ergänzt wurden die Ergebnisse durch eine Online-Umfrage unter rund 1000 Betroffenen.

Eine deutliche Mehrheit - über 90 Prozent der Befragten - hielt in der Umfrage den Gang zum Arzt oder Psychotherapeuten für den besten Weg, um sich bei einer Depression helfen zu lassen. Doch nahezu alle Interviewten sahen die Ursache einer Depression in Schicksalsschlägen (96 Prozent) und Belastungen am Arbeitsplatz (94 Prozent). Die Hälfte glaubte an eine falsche Lebensführung, ein Drittel an Charakterschwäche. Ganz ähnlich gewichteten Betroffene die Hauptursachen - nur Charakterschwäche steht bei ihnen mit 18 Prozent auf dem letzten Platz.

Damit würden belastende Lebensereignisse für die Entstehung von depressiven Erkrankungen überschätzt, sagte Hegerl. Dass eine Depression auch biologische Ursachen habe, sei deutlich weniger bekannt. So kennen in der Studie knapp zwei Drittel der Befragten die große Bedeutung der erblichen Komponente und wissen, dass während einer Depression der Stoffwechsel im Gehirn gestört ist. Bei Betroffenen liegt dieses Wissen um 10 bis 20 Prozent höher.

Nach dem heutigen Stand der Forschung führt die Veranlagung zu Depressionen zu veränderten Hirnfunktionen, zum Beispiel zu stärkeren Reaktionen auf Stress unterschiedlichster Art. Die Depression rückt alles Negative ins Zentrum des Erlebens und vergrößert es riesenhaft. Als behandlungsbedürftig gilt eine Depression, wenn Menschen sich gravierend und über einen langen Zeitraum verändern. Ärzte behandeln die Krankheit in der Regel mit Psychotherapien und - je nach Schweregrad - auch mit Medikamenten.

Insgesamt erkranken nach Angaben der Stiftung jeder Jahr rund 5,3 Millionen Menschen in Deutschland an einer behandlungsbedürftigen Depression. Jeden Tag begingen durchschnittlich 28 Menschen Suizid. Bei vielen Fällen geht die Stiftung von einer schweren Depression als Ursache aus. Nach einer Analyse des Robert Koch-Instituts (RKI) zählen Depressionen inzwischen zu den häufigsten psychischen Leiden in Deutschland.

Die Krankheit wird in Deutschland aber auch häufiger als früher erkannt. So stieg in den vergangenen Jahren nicht die Häufigkeit der Krankheit an sich, sondern die Zahl der Diagnosen. Die Wahrscheinlichkeit, im Laufe des Lebens an einer Depression zu erkranken, wird auf 11 bis 15 Prozent geschätzt. Frauen sind häufiger betroffen als Männer, suchen aber in der Regel auch schneller Hilfe.

Wie Angehörige eine Depression erkennen:

Für eine Depression gibt es viele Anzeichen: Typisch sind etwa Müdigkeit, Antriebslosigkeit oder eine bedrückte Stimmung, die länger als zwei Wochen anhält. Aber auch körperliche Symptome wie Schlaflosigkeit und wenig Appetit können auf die Krankheit hinweisen, teilt die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) mit. Hoffnungslosigkeit und Niedergeschlagenheit treten häufig erst in einem fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung auf.

Das Alter spielt keine Rolle - die Krankheit können Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Senioren bekommen. Wer an einer Depression erkrankt, verliert mitunter auch plötzlich sein Interesse an einem geliebten Hobby, zieht sich aus dem Sozialleben zurück oder fühlt sich schnell überfordert und erschöpft. Zum Teil haben Betroffene auch Schuldgefühle und Ängste. Oder sie reagieren mit Scham, wenn man sie auf ihre schlechte Stimmung anspricht. Oft verspüren sie auch wenig Antrieb, über ihre Gefühle zu sprechen.

Haben Angehörige den Eindruck, dass jemand mehr als nur ein Stimmungstief hat, sollten sie dennoch offen das Gespräch suchen. Idealerweise machen sie dabei keine Vorwürfe, sondern beschreiben die Situation aus ihrer Sicht und bieten Hilfe an.

Wenn mehrere Anzeichen zutreffen, sollte man einen Arzt aufsuchen. Er kann bei der Suche nach der richtigen Behandlungsmethode helfen.

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