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Krise beim VfL

Finstere Wolken in Bochum über der Castroper Straße

Bochum Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: Nur 17 Punkte hat der VfL Bochum in dieser Saison gesammelt. Lediglich ein Tor trennt den Revierklub vom Relegationsrang 16, den Dynamo Dresden derzeit belegt. Aufsichtsratsvorsitzender Hans-Peter Villis sorgt sich um den VfL - und kündigt Entscheidungen in der Winterpause an.

Finstere Wolken in Bochum über der Castroper Straße

Aufsichtsratsvorsitzender Hans-Peter Villis steckt mit dem VfL Bochum in einer sportlichen Krise. Foto: dpa

Dunkle, fast schon finstere Wolken über der Castroper Straße, der Heimat des VfL Bochum, und der Aufsichtsratsvorsitzende des Zweitligisten will auch gar nicht verhehlen, dass da schon ein paar Alarmglocken läuten. Natürlich sei die bisherige Saison eine wirklich große Enttäuschung, „was wir uns sportlich vorgenommen haben, konnten wir bisher nicht annähernd erreichen, Anspruch und Wirklichkeit klaffen krass auseinander“.

Zahlen sprechen bedrohliche Sprache

Hans-Peter Villis lässt im Gespräch mit dieser Zeitung durchblicken, wie sehr ihn die missliche Lage beschäftigt. Aber verzagen will er denn doch nicht. „Wir dürfen jetzt nicht hyperventilieren, wir dürfen uns nur nicht von Panik leiten lassen.“ Das klingt staatstragend, ist wohl auch so gemeint, aber die Zahlen sprechen nun mal aktuell eine reichlich bedrohliche Sprache.

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Platz 15 nach 15 Spieltagen, magere 17 Punkte, magere 14 Tore, punktgleich mit Dynamo Dresden, nur ein Törchen von dem Relegationsplatz entfernt, das klingt nicht nur nach Abstiegskampf, das ist auch einer. Der letzte Sieg datiert vom 14. Oktober beim 2:0 gegen Sandhausen, es folgte das peinliche Pokal-Aus beim 0:2 beim Drittligisten Paderborn, danach vier Unentschieden in Serie in der Liga, unter anderem in Kaiserslautern und gegen Fürth. Beide Teams zieren derzeit das Tabellenende.

Große Ziele

Dabei wollten die Blauweißen so viel in dieser Saison erreichen, nachdem die Finanzen so geordnet sind wie schon länger nicht mehr, nachdem der wenig geliebte Trainer Gertjan Verbeek kurz vor dem Saisonstart entlassen wurde. Die 2. Liga sollte im Sturm genommen werden, mit frischem, modernen Fußball, und der neu zusammengestellte Kader sollte dafür locker taugen.

Ein Irrtum nach dem nächsten, der VfL ist auf einem erschreckenden Tiefpunkt angekommen. Denn die Jungs von der Castroper Straße haben nicht nur eine Ergebnis-, sondern vor allem auch eine Erlebniskrise. Es macht wenig bis gar keinen Spaß, dieser Mannschaft beim Sport zuzusehen. Sie lässt Spielfreude, Kreativität, Mut vergessen, vermeidet alle Überraschungsmomente, spielt brav, bieder, langweilig, vor allem uninspiriert.

Mannschaft spielt das Stadion leer

Und hat, das ist das eigentlich alarmierende, viel, sehr viel Kredit bei den Fans eingebüßt. Wer vor der Saison kess das Wort „Aufstieg“ in den Mund nimmt, der darf sich nicht beklagen, wenn ihm genau das um die Ohren gehauen wird. Gerade mal 11.000 Zuschauer kamen noch zum letzten Heimspiel, das Klima ist gründlich verpestet, manche Anhänger sind so vergrätzt, dass sie nicht mal mehr pfeifen. Der überraschend als neuer Trainer verpflichtete Ismail Atalan war schnell verbrannt, der aktuellen Lösung Jens Rasiejewski droht das gleiche Schicksal. Mit einigen auch reichlich schrägen Ideen in Sachen Aufstellung und Aufgabenverteilung konnte er der Elf wenig Orientierung und schon gar keine Sicherheit geben, die Mannschaft spielt das Stadion leer.

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In solch brisanten Situation ist es mehr als hilfreich, einen starken Sportvorstand zu haben, der vorangeht. Aber Christian Hochstätter, der noch einen Vertrag bis 2020 in der Schublade hat, ist nach seinem heftigen Flirt mit dem Hamburger SV vor einem Jahr geschwächt, bei der Auswahl der Trainer hatte er nicht das geschickteste Händchen, die Kaderzusammenstellung ist wenig überzeugend, und auch intern muss er mit nicht nur wohlwollenden Strömungen leben.

Automatismen entwickeln

Der Befürchtung, der VfL trudele ein wenig orientierungslos tatsächlich dem Abstieg entgegen, widerspricht Hans-Peter Villis energisch. „Sie dürfen überzeugt sein, wir sitzen hier nichts aus, wir beschäftigen uns mehr als intensiv mit unserer sportlichen Situation.“ Nun gelte es, bis zur Winterpause ein paar Automatismen zu entwickeln, vielleicht auch wieder etwas Selbstbewusstsein zu tanken, natürlich wird es darauf ankommen, dass Leistungsträger wie Felix Bastians, Tim Hoogland und Robbie Kruse vorangehen.

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„Ende des Jahres werden wir die Situation genau analysieren und Entscheidungen treffen, da dürfen alle sicher sein“, sagt der Aufsichtsratsvorsitzende. Dass der VfL keinen neuen Übungsleiter finden werde, da hat Villis keine Sorge. „Viele Trainer werden uns angeboten, wir sind nach wie vor eine gute Adresse.“ Endlich mal eine gute Nachricht, und mit einem vernünftigen Auftritt und einem ordentlichen Ergebnis gegen Union Berlin am Wochenende könnten ein paar dunkle Wolken dann auch vertrieben werden.

Von dpa

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