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Umfrage vor Ort

Genossen haben eigene Meinung zur Großen Koalition

Ahaus Jetzt sollen die Genossen über die Zukunft der Partei entscheiden. So will es SPD-Chef Martin Schulz. Und was will die Basis?

In Berlin jedenfalls scheint die GroKo, also die so verhasste Große Koalition, gerade die Tabuzone wieder zu verlassen. Eine Entwicklung, die viele in SPD-Reihen nach dem bisherigen kategorischen Nein durchaus argwöhnisch betrachten.

Eine Vielfalt an Meinungen hat auch der Ahauser Fraktionsvorsitzende Andreas Dönnebrink (Foto) vor Ort erfahren.

Genossen haben eigene Meinung zur Großen Koalition

Gleichwohl scheint sich aber hier die Haltung durchzusetzen, dass man als gewählter Vertreter eben auch Verantwortung zu übernehmen habe. Das A und O bei eventuellen Gesprächen mit der CDU/CSU aber sei, dass man nicht das aufgebe, was man dem Wähler versprochen habe: „Es dürfen am Ende nicht nur 20 Prozent SPD übrig bleiben“. Als SPD-Basics nennt der Ahauser Sozialdemokrat: Mindestlohn, Rente, Bildung und Pflege.

Klar dagegen

Eine Minderheitenregierung mit SPD-Tolerierung hält Dönnebrink angesichts der aktuellen großen Probleme „für nicht machbar“. Eine Dreier-Kombi mit den Grünen als Dritten im Bunde hat dagegen für ihn durchaus einen gewissen Charme.

Klar gegen eine GroKo habe sich der Ortsverein Südlohn positioniert, sagt Vorsitzender Dr. Joachim Musholt (Foto).

Genossen haben eigene Meinung zur Großen Koalition
Angesichts der neuen Vorzeichen setzt er jedoch mehrere „aber“ hinzu: „Der Druck wird erhöht, die Situation ist jetzt eine ganz neue.“

Dass man Gespräche führen muss, sieht auch er, aber mit knallharten Forderungen. Ein „Weiter so“ dürfe es keinesfalls geben. Es gelte jetzt, Verantwortung zu übernehmen, ja. „Aber nicht nur, damit wieder Ruhe und Ordnung einkehrt, sondern dass sich auch etwas zum Besseren wendet.“

Irritierende Situation

Von einer deutlichen Absage an die Große Koalition ist auch Manfred Kuiper bislang vor Ort ausgegangen. Heeks SPD-Ortsvereinschef erkennt aber auch die aktuellen Realitäten. „Mit ganz viel Bauchschmerzen“ erwartet er, dass es eine Einigung mit der CDU geben wird und ist selbst gespannt, was sich Anfang Dezember beim Bundesparteitag ergeben wird. Dort ist er als Delegierter vertreten.

„Irritierend“ findet Berthold Dittmann die jetzige Situation: „dass aus dem klaren Nein jetzt ein doch noch mal vorstellbar geworden ist.“ Seine Sicht: aus der Not geboren, um Neuwahlen zu verhindern.  Das SPD-Dilemma in seinen Augen: Die Ablehnung der GroKo einerseits und die Verpflichtung, vor dem man jetzt stehe. Richtig sei es, sich zu unterhalten und nicht den Trotzkopf aufzusetzen. Das hätte man allerdings schon früher signalisieren können, meint Dittmann. Eine Dreier-Bündnis sieht er positiv: „Dann gebe es nämlich mehr Rot als Schwarz.“

Zerrissenheit

Daniel Vortkamp, SPD-Vorsitzender Vreden, wurde von dem Jamaika-Aus völlig überrascht und erlebt eine Zerrissenheit in seinen Reihen. Gleichwohl sei man sich durchaus bewusst, „dass das Land eine Regierung braucht“. Vor Ort überlege man, noch vor dem Parteitag eine Mitgliederversammlung anzusetzen, um die Positionen zu den einzelnen Varianten abzuklopfen. Er selbst sei allerdings gegen eine Dreier-Lösung und erst mal nur für Gespräche.

Sigrid Gosling hat aus der Fraktionssitzung am Donnerstagabend „ein geteiltes Stimmungsbild“ mitgenommen. Sie persönlich plädiert für die Vernunft. Heißt: „In Gespräche eintreten, sich nicht zu verweigern.“ Die strikte Ablehnung noch am Wahlabend sei ohnehin nicht ihr Weg gewesen, sagt die SPD-Fraktionsvorsitzende aus Legden.

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