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Energieversorgung und Waldwirtschaft

Der Schnee ist noch nicht gerettet

SCHNEE Der entlegene Dortmunder Stadtteil Schnee war in den vergangenen Monaten häufig in den Schlagzeilen. Bei der Frage nach Windrädern hat die Richtung gedreht. Doch die nächsten Problemthemen tauchen schon auf.

Der Schnee ist noch nicht gerettet

Viel Natur im Verhältnis zur Bebauung: Der Stadtteil Schnee aus der Luft betrachtet. Foto: Foto: Oskar Neubauer

Die Bürgerinitiative „Rettet den Schnee“ hat sich aus der Debatte um Windkraftkonzentrationszonen in Dortmund gebildet, die vor ziemlich genau einem Jahr in vollem Gange war. Die Großholthauser Mark stand auf der Liste potenzieller Flächen für bis zu 200 Meter hohe Windräder. Die Anwohner dieses Gebiets befürchteten eine massive Belastung und die Zerstörung vieler Tier- und Pflanzenarten.

Nach einem einjährigen Diskussionsprozess gab die Stadt Dortmund ein Artenschutzgutachten in Auftrag, das aktuell noch läuft. Zwischenzeitlich hat der Regierungswechsel in Nordrhein-Westfalen die Windkraft-Frage verändert. Der Prozess für die Windraftkonzentrationszonen ruht nach Angaben der Stadt Dortmund derzeit. Neue Abstandsregelungen für Windräder von 1500 Metern zu Wohngebieten sind in der politischen Diskussion.

Lena Hültenschmidt von der Bürgerinitiative „Rettet den Schnee“ sagt: „Ich habe in den vergangenen Monaten zu oft gehört, das Thema sei vom Tisch und dann war es nicht so, als dass ich jetzt beruhigt sein könnte.“ Das Windrad-Thema hat sie und andere Schnee-Bewohner zu noch aufmerksamen Beobachtern ihres Natur-Umfeldes gemacht. Sie haben Hunderte Fotos von Tieren, insbesondere Vögeln, gesammelt, die in der Nachbarschaft zu den Menschen ihren Lebensraum haben. Ihnen allen, so befürchtet die Bürgerinitiative, droht weiteres Ungemach.

Forstarbeiten könnten geschützte Pflanzen gefährden

Der erste Grund zur Sorge ist die Ankündigung einer Durchforstung des Waldes. „Angekündigt ist, mit Riesen-Maschinen einige Tage bis drei Wochen in den Wald zu gehen. Und das, während das Artenschutzgutachten läuft“, sagt Ariane Massier von der Bürgerinitiative. Lena Hültenschmidt weist zudem darauf hin, dass in dem Waldgebiet die geschützte Stechpalmenart Ilex verbreitet sei. „Für Förster in anderen Städten ist das ein No-Go“, sagt Lena Hültenschmidt. Aktueller Stand nach mehreren Gesprächen zwischen Bürgerinitiative und dem zuständigen Förster: Es ist noch unklar, ob und wann die Arbeiten tatsächlich beginnen, aber sie stehen auf der Liste der Maßnahmen für diesen Winter.

„Es würde dem gesamten Sinn des Artenschutzgutachtens widersprechen. Die Bäume sind außerdem ein Lärmschutz gegen die Autobahn“, sagt Ariane Massier. Die Forstbehörde argumentiert mit der Verantwortung für die Verkehrssicherheit des hoch frequentierten Waldes. Zudem verdient die Stadt mit dem Holz aus seine Wäldern Geld. „Für die Stadt ist das hier ein Wirtschaftsfaktor, für uns und die Tiere ist es ein Lebensraum“, sagt Lena Hültenschmidt.

Naturgebiet am Städte-Dreieck soll unangetastet bleiben

Eine „Bedrohung“ ganz anderer Art baut sich aus Sicht der Bürger vom Schnee in der Nachbarstadt Herdecke auf. Hier gibt es seit einigen Jahren gut organisierten Widerstand gegen Hochspannungsmasten, die der Stromnetz-Betreiber Amprion errichten möchte. Zuletzt schlug eine Herdecker Bürgerinitiative eine Alternativtrasse durch das benachbarte Gebiet der Großholthauser Mark entlang der Stadtteile Schnee, Kirchhörde und Löttringhausen vor und bewarb das mit einem Video im Internet. Es gibt politische Unterstützung aus Herdecke für diesen Vorschlag. Das Unternehmen Amprion hat sich bisher nicht geäußert, welche Pläne es bevorzugt. „Aber es ist wichtig, dass die Dortmunder wissen, was auf sie zukommen kann“, sagt Ariane Massier.

Der simple Wunsch der Naturaktivisten: Das prächtige Naturgebiet am Städte-Dreieck soll unangetastet bleiben. Stattdessen ist es immer wieder Gegenstand neuer Überlegungen bei Fragen der Energieversorgung und Waldwirtschaft. „Wenn wir weiter so durchforsten, ist in zehn Jahres alles kaputt. Bäume brauchen bis zu 20 Jahre, um sich auf neue Bedingungen einzustellen“, sagt Ariane Massier.

Die Bäume in der Großholthauser Mark sind nicht so alt wie sie wirken, die meisten wurden vor 60 bis 100 Jahren gepflanzt.

An zahlreichen Stellen finden sich Spuren des Bergbaus. Es gibt Eingänge zu drei Zechen im Gebiet Löttringhausen/Kirchhörde.

Die Gefahr von Tagesbrüchen ist für Spaziergänger allgegenwärtig.

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