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20 Räumungsklagen im Jahr

Obdachlose in Werne: Jung, männlich, alleinstehend

Werne Die Zahl der obdachlosen Menschen steigt in NRW seit Jahren kontinuierlich. Besonders problematisch sei die Lage für Frauen. In Werne sieht das anders aus – hier wird aber auch anders gezählt.

Obdachlose in Werne: Jung, männlich, alleinstehend

Junge Männer rutschen in Werne häufiger in die Wohnungslosigkeit als Frauen. Foto: picture alliance / Boris Roessle

Seit 2011 hat sich die Zahl der gemeldeten Wohnungslosen in Nordrhein-Westfalen um fast 60 Prozent auf mehr als 25.000 erhöht. Das geht aus einem Bericht hervor, den NRW-Sozialminister Karl-Josef Laumann im Oktober dem Düsseldorfer Landtag vorlegte.

Ein Grund dafür sei die gestiegene Zahl der anerkannten Asylbewerber. Betroffen seien häufig junge Frauen. Für Werne relativiert sich das Ganze – weil man die Asylbewerber dieser Kategorie ganz bewusst nicht zuordnen will.

Elf Männer und eine Frau

„Aktuell haben wir zwölf Personen, die als obdachlos an der Kardinal-von-Galen-Straße untergebracht sind – elf Männer und eine Frau“, sagte Kordula Mertens vor wenigen Tagen im Gespräch mit unserer Redaktion. „Für die gibt es auf dem normalen Wohnungsmarkt derzeit noch keine Wohnmöglichkeit.“ Die Leiterin des Ordnungsamtes ist gleichzeitig auch für den Bereich Soziales verantwortlich. Sie spricht von jungen Männern – alleinstehend, mit privaten Problemen, oft ohne Ausbildung.

Der Werner Streetworker Michael Knäpper bestätigt: „Die Zahl junger Erwachsener zwischen 18 und 24 Jahren, die unsere Sozialberatung in Anspruch nehmen, hat in den vergangenen Jahren zugenommen.“ Einmal in der Woche bieten die Streetworker ein Beratungsfrühstück im Juwel an. Das ein oder andere Gesicht kennt Knäpper an solchen Vormittagen. „Manche hatten schon als Kinder Probleme im Elternhaus. Sie kommen mit Anlauf.“

Zahl der Räumungsklagen nimmt zu

Blickt man auf die vergangenen Jahre, ist die Situation in Werne weit weg von „dramatisch“. Die Zahl der neuen Obdachlosen liegt Jahr für Jahr im niedrigen einstelligen Bereich, 2016 bei insgesamt drei. „Die Lage ist überschaubar“, sagt Kordula Mertens, ergänzt aber, dass die Zahl der Räumungsklagen zugenommen habe.

„Wir kommen im Schnitt auf 20 Klagen im Jahr. Das nimmt eher zu und kann ganz verschiedene Gründe haben.“ Wenn etwa die Miete nicht mehr gezahlt werden kann, könne es nach dem Rausschmiss schwierig werden, eine neue Wohnung zu finden.

Schufa-Einträge, skeptische Vermieter – und: „Zu wenige kleine und preiswerte Wohnungen in Werne“, sagt Jürgen Menke vom Ordnungsamt. Manchmal kämen die Betroffenen vorübergehend woanders unter. Wenn nicht, geht es in die temporäre Obdachlosigkeit.

Wohnheim an der Kardinal-von-Galen-Straße

Untergebracht sind die Werner Wohnungslosen in der Container-Anlage an der Kardinal-von-Galen-Straße und zusätzlich in den ehemaligen Internatsräumen des Christophorus-Gymnasiums. Weil der Mietvertrag für die Internatsräume am 31. Dezember 2017 ausläuft, „müssen wir hier gerade umdisponieren“, sagt Mertens. Die Obdachlosen könnten auf die Container-Anlage ausweichen, die ebenfalls dort untergebrachten Asylbewerber auf die etwa 30 Gebäude für Flüchtlinge.

Aktuell gibt es in der Lippestadt rund 170 Personen, die anerkannt sind, vorerst drei Jahre in Werne bleiben und theoretisch auf dem Wohnungsmarkt untergebracht werden können. Zähle man sie automatisch zu den Obdachlosen dazu, wäre die Statistik eine andere. Aber, sagt Mertens: „Diese Menschen haben doch einen ganz anderen Hintergrund.“ Man wolle sie in Werne nicht in die nächste Schublade stecken.

Wöchentliche Sozialberatung: Das Beratungsfrühstück im Jugendzentrum Juwel an der Bahnhofstraße findet immer donnerstags von 10.30 bis 13.30 Uhr statt. Das Angebot ist kostenlos und dreht sich unter anderem um die Wohnungs- und Jobsuche.

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