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Impfstoff-Engpässe
Kinderarzt: "Kein Kind ist bedroht"
Von Iris Woitschell am 8. Februar 2010 15:06 Uhr
HALTERN „Wir gehen auf dem Zahnfleisch“, klagt Dr. Jörg-Ulrich Hassel. In seiner Kinderarztpraxis wird der Impfstoff knapp. Aber er betont: „Kein Kind ist bedroht“.
Bei dem Inpfstoff handelt es sich nicht um den Schweinegrippe-Impfstoff, sondern um den Sechsfachimpfstoff, den Säuglinge mit zehn Wochen gespritzt bekommen. Er schützt gegen Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten, Haemophilus Influenza B, Polio und Hepatitis B.

„Die Herstellung ist kein chemischer, sondern ein biologischer Prozess“, so Hassel. Dieser sei mit einer Ernte zu vergleichen. Wenn die Ausbeute eines Substrats geringer ist, gäbe es Verzögerungen bei der gesamten Herstellung. Da bei dem Prozess keine Bestandteile des Schweinegrippe-Impfstoffes verwendet würden, bestehe dort laut Hassel kein Zusammenhang.

Lieferschwierigkeiten

Anders beim Vierfachimpfstoff gegen Mumps, Masern, Röteln und Windpocken. Dieser habe zum Teil die gleichen Bestandteile wie der Schweinegrippe-Impfstoff. Daher könne es hier zu „Material“-Engpässen kommen.

Bereits seit Anfang des Jahres gibt es Lieferschwierigkeiten. „Wir haben nur noch wenige Sechsfachdosen vorrätig“, so Arzthelferin Lydia Pyka. Rein rechnerisch reichen die Vorräte bis Freitag. Dr. Jörg-Ulrich Hassel: „Nachschub wurde uns für Mitte Februar zugesichert, das kann sich aber verzögern.“

Dies sei jedoch kein Beinbruch. „Kein Kind ist bedroht“, so der Doktor. Im Vorratsschrank der Praxis liegt bereits ein Fünffachimpfstoff, der bis in die 90er Jahre Standard war und noch heute verwendet wird. Bei dieser Version müssten die Kinder jedoch extra gegen Hepatitis B geimpft werden – das bedeutet eine Spritze mehr.

„Jeder Pieks tut weh“, so der Kinderarzt. Durch die Kombinationsimpfstoffe vermeide man zudem Lokalreaktionen wie Rötungen oder Schwellungen. Dennoch würde er diese Impfung bei Säuglingen ungerne verschieben: „Da muss man dann durch“, so Hassel und meint damit sowohl Eltern als auch Kinder.

Rötungen oder Schwellungen

Die andere Halterner Kinderärztin, Dr. Barbara Rogall, hat noch Vorräte und auch schon die helfende „Spritze“ ausgestreckt. Dr. Hassel: „Wenn es eng wird, helfen wir uns untereinander.“ Und falls noch einmal jemand fragen sollte: Schweinegrippeimpfstoff gibt es bei Dr. Hassel auch noch. Lydia Pyka: „Den will aber keiner mehr.“
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