Meisterkonzert: Daniel Hope spielt allzu zart

MÜNSTER Es begann als Konzert und endete als Volksfest. Kaum hatte der Violinbogen von Daniel Hope die Luft mit dem Eisklang seines letzten Glissandos durchschnitten, hallten Bravos durch Münsters Hörsaal 1. Hope hatte als zweite Zugabe George Gershwins „I Got Rhythm“ wie eine Boogie-Woogie-Rakete abgeschossen.

  • Daniel Hope bei der Probe im Hörsaal.

    Daniel Hope bei der Probe im Hörsaal. Foto: Manfred Thomas

Eigentlich zelebrierte der britische Star-Geiger im Schoneberg-Konzert jedoch eine Hommage an einen anderen Star-Geiger: Joseph Joachim (1831-1907). Für diesen Virtuosen hatten alle großen Meister des 19. Jahrhunderts komponiert, von Brahms bis Bruch.

Für das zentrale Werk des Abends, die Sonate Nr. 1 G-Dur von Johannes Brahms, wählte Hope eine exzessiv lyrische Interpretation. Im Kopfsatz „Vivace ma non troppo“ klangen Tempo, Rhythmik und Dynamik, als hätten sie sich vollends dem einschränkenden Zugriff des Geigers ergeben. Alle Glut erlosch, und die Musik rieselte wie Blütenstaub. Es war, als vermutete Hope hinter jeder Note eine Geheimtür, die mit spiritistischer Sanftmut ins Herz der Musik führen würde.

Sebastian Knauer agierte am Klavier mit treuer Unsichtbarkeit, spielte nahezu jede Zeile mit gedämpftem Anschlag. Nur an zartesten Fäden hing der instrumentale Dialog im blumigen Adagio. Im ätherischen Finalsatz schien er der Auflösung nahe.

Auch die opulente Tragik in Edvard Griegs Sonate Nr. 3 c-Moll schwor Hope mit seiner „Guarneri del Gesù“ von 1742 auf makellose Schönheit ein. Dialog, Drive und Bewegung blieben der Musik, nicht zuletzt dank der defensiven Haltung des Pianisten, fast erspart.

Ein Hauch von Salon umwehte zwei Lied-Transkriptionen von Felix Mendelssohn Bartholdy. Hier endlich zündete Hope den Funken durch emphatische Betonung der Melodiestimme. Clara Schumanns und Joseph Joachims herzensgute Romanzen und Brahms’ Hit, der Ungarische Tanz Nr. 5, rissen die Hörer mit. Die Zugaben gaben ihr Bestes. Dann rauschten die Ovationen. 
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