Premiere im Cineplex: Mihail Pandourskys Spielfilm-Traum ist Wirklichkeit

MÜNSTER. Ambitionierte Projekte können an dummen Zufällen scheitern: 2009 hatte Mihail Pandoursky seinen Film „Incognita“ soweit vorbereitet, dass er nur noch den Dreh im St. Petersburger Mariinsky-Theater abwickeln musste. Alles scheiterte am TÜV, der den Bühnen-Vorhang prüfen sollte und dafür zu lange brauchte.

  • Mihail Pandoursky neben dem Filmplakat.

    Mihail Pandoursky neben dem Filmplakat. Foto: Marit Stöckelmann

Der Dreh verzögerte sich um Wochen, Pandourskys Schauspieler gerieten unter Termindruck, er blies die Sache ab. 20 Jahre nach der ersten Idee und zehn Jahre nach der Entwicklung des Drehbuchs stand der in Münster lebende Regisseur wieder am Anfang. „Ich suchte neue Schauspieler, musste alles neu schreiben, denn ich gestalte meine Geschichten nach meinem Ensemble“, sagt Pandoursky. Nun ist ihm doch noch die Vollendung gelungen: Am 9. Mai feiert „Incognita“ in Münsters Cineplex in Anwesenheit der Hauptdarsteller seine Weltpremiere.

Die Geschichte von „Incognita“ bezieht sich auf die Novelle „Die Barriere“ des bulgarischen Science-Fiction-Autors Pavel Weshinow. In den 70er-Jahren entwickelte Pandourskys Frau Donvena eine Ballett-Version des Stoffs für das bulgarische Staatstheater, die den Autor zu Tränen rührte. Von da an wusste der Regisseur, wie er seinen Film aufbauen musste: Der Tanz fand seinen Weg in die Produktion. Und noch eine Veränderung zur Literaturvorlage brachte er ein: „In der Geschichte überwindet die Hauptfigur ihre Barrieren nicht, im Film gelingt es ihr.“

Endzeit-Mystery-Thriller

„Incognita“ ist ein Endzeit-Mystery-Thriller, der zwischen Traum und Wirklichkeit changiert: Der unzufriedene Dirigent Anton Horn (Georgi Staykov, bekannt aus den Stig-Larsson-Verfilmungen) trifft während seiner Arbeit an einer Prometheus-Aufführung auf eine verstörte Frau (Iva Gocheff), die aus einer Nervenklinik geflohen ist. Oder ist sie nur eine Projektion von Horns Wünschen und Ängsten? Pandoursky lässt manche Fragen offen: „Mir ist wichtig, dass die Zuschauer fühlen, was während des Films mit ihnen passiert“, betont er. Die Wirkung der Bilder, vor allem der Tanz in der rauen bulgarischen Naturkulisse, steht über inhaltlichen Zusammenhängen.

Die von Donvena Pandoursky choreografierten Tanzelemente erwachsen aus der Schauspielerei – das aus Bulgarien stammende Paar legt Wert darauf, dass der Tanz mit dem Medium Film organisch verbunden ist. Das Hauptthema von „Incognita“ ist jedoch die Musik: Mit dem Ensemble des Mariinsky-Theaters unter Dirigent Valery Gergiev hat Pandoursky eines der anspruchsvollsten Sinfonie-Orchester der Welt verpflichtet.

Orchester macht Geräusche

Das spielte nicht nur die Komposition des bulgarischen Rockmusikers Konstantin Tsekov, sondern entwickelte auch die Hintergrundgeräusche. Deren Präsenz, der Chor sowie der Gesang der Solisten prägen den Film, die Sprache als erzählerisches Mittel tritt zurück.

Pandoursky weiß, dass es diese Art des Autorenfilms schwer hat, Unterstützung zu finden. Nachdem ihn deutsche Ansprechpartner abblitzen ließen, lobt er die russische Filmförderung: „Die sind offener, gegenüber den Künst-lern zeigen sie mehr Respekt.“ Schließlich mache er kein Popcorn-Kino, sondern sehe sich in der Tradition der Nouvelle Vague. 

„Incognita“ hat am 9. Mai (Mittwoch, 19 Uhr) im Cineplex in Anwesenheit von Regisseur, Darstellern und Filmkomponist seine Welturaufführung. Am 10. Mai (Donnerstag) präsentiert das Ensemble den Film zudem im Schlosstheater, wo er auch im Tages-Programm laufen wird (Uhrzeit wird noch bekannt gegeben).
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Autor
Marit Stöckelmann
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    25. April 2012, 19:59 Uhr
    Aktualisiert:
    25. April 2012, 20:03 Uhr