Konzerthaus Dortmunder: Philharmoniker ließen Satan und Schwäne tanzen

DORTMUND Sowohl Schostakowitsch' zehnte Sinfonie als auch das erste Violinkonzert von Prokofjew gehören nicht zu den häufig gespielten Werken. Das mag daran liegen, dass man dafür Klasse braucht. - Im Orchester und beim Solisten. Die Dortmunder Philharmoniker hatten am Dienstag und Mittwoch im siebten Philharmonischen Konzert im Dortmunder Konzerthaus beides: mit Sophia Jaffé eine fabelhafte, technisch überlegene Solistin und mit dem Niederländer Otto Tausk einen tollen Dirigenten, der das Orchester zu Höchstleistungen animierte.

  • Sophia Jaffé spielte lauernd und drängend das hochvirtuose Scherzo.

    Sophia Jaffé spielte lauernd und drängend das hochvirtuose Scherzo. Foto: Agentur

Tausk hat bei Valery Gergiev gelernt. Das hörte man. Das klanggewaltige, diabolische Porträt von Stalin, das Schostakowitsch im Scherzo der Sinfonie satanistisch zeichnet, hatte eine rasende Gewalt. Und auch der triumphale Schluss der Sinfonie, der Sieg des Komponisten, der im Krieg zu leiden hatte, über das Stalin-Regime, lebte von riesengroßer Intensität.

Klug baute Tausk die mitunter weitschweifende Schwermut im ersten Satz auf und gliederte dazwischen auch immer wieder die Musik, die berührende Kriegsgeschichten erzählt.

Originelle Zugabe

Was geigerische Intensität ist, hatte die 31-jährige Berlinerin Sophie Jaffé zuvor in dem Prokofjew-Konzert gezeigt. Lauernd und drängend spielte sie das hochvirtuose Scherzo, präsentierte ein farbiges Konzert, das reich an Effekten ist. Und auch dem etwas spröden Beginn gewann sie viel klangliche Delikatesse ab. Originell war die Zugabe: eine Glockenimitation aus dem 17. Jahrhundert im Duo mit Solocellistin Franziska Batzdorf.

Vorangestellt hatten die Philharmoniker in diesem russischen Abend Auszüge aus einem Repertoire-Werk: "Schwanensee", das am 1. Mai in Dortmund in einer Neufassung Premiere feiert. - Mit spektakulären Bildern, auch in einer Unterwasserwelt und in einem Eisschloss und zum Teil mit den Original-Choreografien von Marius Petipa. Das ist Musik, die von selbst tanzt, und die Tausk schwungvoll zum Klingen brachte.

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Autor
Julia Gaß
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    25. April 2012, 11:35 Uhr
    Aktualisiert:
    25. April 2012, 18:27 Uhr