Einheimische gesucht - So knüpfen Erasmus-Studenten Kontakte

Münster (dpa/tmn) Wer ein Auslandssemester absolviert, will auch Spaß haben und neue Leute treffen. Häufig bleiben Austauschstudenten dabei unter sich. Um wirklich etwas von Land und Leuten zu sehen, sollten Hochschüler in der Ferne Kontakt zu Einheimischen suchen.

  • Wie integriert die Partneruniversität ausländische Studenten? Wer ein Semester im Ausland verbringen will, informiert sich am besten schon vor der Abreise ausführlich. Foto: Monique Wüstenhagen

    Wie integriert die Partneruniversität ausländische Studenten? Wer ein Semester im Ausland verbringen will, informiert sich am besten schon vor der Abreise ausführlich. Foto: Monique Wüstenhagen Foto: dpa

«Die beste Bildung findet ein gescheiter Mensch auf Reisen», wusste schon Goethe zu berichten. So gesehen steht es um die Bildung deutscher Studenten hervorragend: Über 30 000 von ihnen absolvierten im vergangenen Jahr ein Erasmus-Semester im europäischen Ausland. Doch häufig haben Hochschüler in der Ferne dabei mehr Kontakt zu anderen Austauschstudenten als zu einheimischen Kommilitonen. Man feiert viel zusammen, spricht Englisch statt der Landessprache. «Man bleibt in einer Blase», sagt Jule Türke vom International Office der Universität Frankfurt am Main. Das lässt sich jedoch leicht vermeiden.

Schon vor der Abreise sollte man sich darüber informieren, welche Projekte an der Wunschuniversität existieren, um Erasmus-Studenten die Integration zu erleichtern. «Viele Unis bieten zum Beispiel ein Buddy-Programm an», sagt Verena Wagner von der Erasmus-Beratung der Universität Konstanz. Dabei hilft ein einheimischer «Kumpel» (Englisch: Buddy) einem oder mehreren Auslandsstudenten, sich an der Uni oder im Alltag zurechtzufinden. «Über den Buddy lassen sich dann auch gut andere Einheimische kennenlernen.» Häufig schlügen Universitäten von sich aus eine Teilnahme am Buddy-Programm vor, ansonsten lohne es sich, nachzufragen.

Dazu sollte man sich informieren, wie viele Kurse des gewünschten Studienfaches auch für Austauschstudenten geöffnet sind. «Wenn Erasmus-Studenten nur an speziellen Seminaren teilnehmen können, bleiben sie zwangsläufig unter sich», sagt Wagner, die selbst in Stockholm ein Auslandssemester absolvierte. Daher sollte man sich für eine Uni entscheiden, bei der Erasmus-Studenten reguläre Kurse mit Einheimischen besuchen können.

Die meisten Universitäten bieten Erasmus-Studenten einen Wohnheimplatz an. «Häufig werden Austauschstudenten aber zusammengelegt», sagt Inga Rosemann von der Universität Münster. In der polnischen Wohnheimkneipe kann man dann Partykultur mit Engländern oder Franzosen erleben - aber wenig Landeskultur. Rosemann empfiehlt daher, vor Beginn des Auslandssemesters über das Internet ein WG-Zimmer bei Einheimischen zu suchen. «Man kann auch zwei Wochen vor Semesterbeginn schon anreisen, im Hostel übernachten und vor Ort suchen.» Auch das Internetportal Couchsurfing sei eine gute Gelegenheit, noch mehr von dem Erasmus-Land zu sehen, empfiehlt Inga Rosemann. Sie selbst hat ihr Auslandssemester im englischen Stoke-on-Trent in einer einheimischen WG verbracht. «Man kriegt einfach mehr vom Alltag mit, es ist authentischer.»

Ist man an der Uni angekommen, steht meist eine Orientierungswoche speziell für Erasmus-Studenten an. «Dabei lernt man die anderen Ausländer kennen», sagt Jule Türke. Alle sind neu, suchen Kontakt, man hat die gleichen Probleme - es ist bequem, in dieser Gruppe zu bleiben. «Da muss man früh entgegensteuern», rät Türke. «Also nicht immer nur mit anderen Erasmus-Studenten in die Mensa gehen, sondern auch mal Einheimische fragen.» In der Theatergruppe, dem Uni-Chor oder Sportkursen lernt man schnell Einheimische kennen - für diese Angebote sollte man sich aber bereits in der ersten Woche anmelden, bevor sie überfüllt sind.

Unerlässlich seien beim Kontakt mit einheimischen Studenten zumindest Grundkenntnisse der Landessprache, sagt Verena Wagner von der Universität Konstanz. Daher sollte man schon im Semester vor Erasmus-Beginn einen entsprechenden Sprachkurs belegen.

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Autor
Samuel Acker, dpa
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    30. April 2012, 10:25 Uhr
    Aktualisiert:
    30. April 2012, 10:28 Uhr