Worte zurechtlegen: Trennung gründlich vorbereiten

Göttingen (dpa/tmn) Wie heißt er? Verlassender? Trenner? Aus Sicht des Ex-Partners wäre wohl Verräter die passende Bezeichnung. Wer sich nach einer langen Beziehung trennt, tut sich oft schwer damit.

  • Schluss, aus, vorbei! Eine Trennung nach langer Partnerschaft tut immer weh. Sie sollte aber fair gestaltet werden. (Bild: Diagentur/dpa/tmn)

    Schluss, aus, vorbei! Eine Trennung nach langer Partnerschaft tut immer weh. Sie sollte aber fair gestaltet werden. (Bild: Diagentur/dpa/tmn)

Ein schlechtes Gewissen oder Angst vor der Reaktion gemeinsamer Freunde sorgen dafür, dass die Trennung immer wieder hinausgezögert werden. Doch wenn die Beziehung am Ende ist, bleibt kein anderer Weg, meint die Autorin Sandra Lüpkes aus Göttingen. Mit guter Vorbereitung sei die Trennung dann für beide leichter zu ertragen.

Das eine Paar streitet ständig, beim anderen herrscht Eiseskälte. Manchmal stellt ein Partner aber auch nur fest: Ich mag den anderen, aber es ist keine Liebe. Von dieser Erkenntnis bis zur Trennung liegt dann meist ein weiter Weg. Doch in einer Beziehung zu bleiben, aus der man eigentlich heraus möchte, sei Betrug an sich selbst und am Anderen, sagt Angelina Borgaes, Psychotherapeutin aus Hamburg.

Lüpkes rät, für die Entscheidung eine Auszeit zu nehmen. «Es ist eigentlich egal, wohin man verschwindet. Hauptsache, man hat genügend Zeit, sich selbst zu überzeugen», schreibt sie. Das sei auch wichtig für den Partner, wenn er fragt: «Hast du dir das auch gut überlegt?»

Wer in seiner Beziehung unzufrieden ist, muss sich zuerst über seine eigenen Bedürfnisse klar werden, rät Arndt Linsenhoff, der bei der Organisation Pro Familia in Heidelberg eine Trennungsberatung anbietet. Und wer fair ist, formuliert diese Bedürfnisse rechtzeitig gegenüber dem Partner: «Ich fühle mich eingeengt, zu wenig beachtet, bevormundet!» - wie der andere auf solche Aussagen reagiert, zeige dann oft schon, ob es eine Lösung geben kann. Wenn nicht, kommt die Trennung zumindest nicht unvorbereitet.

«Kündigen Sie das Gespräch an: 'Lass uns morgen Abend mal reden'», rät Linsenhoff. Statt des heimischen Sofas empfiehlt Friedrich Enzner für ein solches Gespräch einen öffentlichen Raum wie ein Restaurant. «Da hat keiner einen Heimvorteil», sagt der Sozialpädagoge der Erziehungs- und Familienberatungsstelle der Stadt Nürnberg.

«Es ist aus!», «Das war's!», «Ich möchte mich von dir trennen!» - Sandra Lüpkes rät, sich die Worte und die Begründung zurechtzulegen: «Es wird nicht funktionieren, in wenigen Minuten all die Beweggründe herunterzurattern, die man sich in monatelanger Grübelei erarbeitet hat.» Besser sei es, sich auf wenige Argumente zu beschränken.

Tränen, Wut, Vorwürfe - wer verlassen wird, fühlt sich nach dem ersten Schock verraten. «Viele fangen an zu streiten, weil das leichter zu ertragen ist als die Schuldgefühle», sagt Linsenhoff. Andere laufen weg. «Wenn man den anderen geliebt hat, dann gebietet es aber die Fairness, das Gespräch auszuhalten.»

Bricht der Andere in Tränen aus, wird es ungleich schwieriger. Denn wer aus einer Beziehung aussteigt, kann keinen Trost geben. «Man kann den Anderen nicht einfach in den Arm nehmen», sagt Linsenhoff. «Da liegt immer ein Versprechen drin» - und das Risiko sei groß, dass man gemeinsam im Bett landet. An dieser Stelle helfe es dem Ex-Partner viel mehr, wenn man auf Distanz geht, sagt Lüpkes.

Soll der Verlassende nach dem Gespräch bei einem Freund oder im Hotel übernachten? Linsenhoff rät davon ab: «Ich würde den Anderen dann nicht alleinlassen.» Dem Verlassenen hingegen könne es gut tun zu gehen und bei Freunden unterzuschlüpfen.

Autor
Carina Frey, dpa
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    14. Januar 2009, 09:27 Uhr
    Aktualisiert:
    14. Januar 2009, 10:25 Uhr
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