Tanzdoku «Just Ballett» bei 3sat

Wien (dpa) Das klingt vielleicht eklig», meint Danielle, «aber je mehr Blasen, desto besser. Das gibt eine Hornhaut, das ist ein Schutz». Die zierliche 15-Jährige streicht über ihre Füße, die eine eigene Geschichte erzählen. Die Geschichte von frühem Ehrgeiz, großer Leidenschaft und täglichem stundenlangen Training in Spitzenschuhen.

Danielle ist eine von acht Schülerinnen eines Jahrgangs an der Ballettschule der Wiener Staatsoper. Ein Kamerateam hat die Mädchen ein Jahr lang begleitet. Der Sender 3sat strahlt die berührende Dokumentation «Just Ballett» am Samstag ab 20.15 Uhr aus.

Ein heller Raum, lichtdurchflutet, ganz in weiß. Der Pianist schlägt ein Thema an, acht Mädchen in blauen Trikots tanzen durch den Raum, drehen sich, entwickeln Figuren. Elegant und ästhetisch wirkt das, doch Schweißflecke, starkes Atmen und ab und zu ein unrhythmischer Polterer brechen die Illusion von Schwerelosigkeit und Leichtigkeit. Tanz ist beinharter Spitzensport, das wird sehr bald deutlich in der rund zweistündigen Dokumentation.

Die acht Mädchen aus Österreich, Rumänien, Japan und Russland sind Schulkameradinnen, Freundinnen und Konkurrentinnen. Sie sind 14 bis 15 Jahre alt in dem Jahr, in dem sie die Kamera begleitet, gehen zur Schule, zum Training, absolvieren Prüfungen. Ein Traum eint sie: Einmal ganz vorne, ganz oben zu stehen und große Rollen auf großen Bühnen zu tanzen.

Einen wichtigen Schritt hin zur Verwirklichung haben sie schon geschafft. Über bloße Schwärmerei sind sie längst hinaus. Sie kennen die Härte des Alltags - Training bis zum Mittagessen, dann noch Schulunterricht bis sechs oder sieben Uhr am Abend. Sie kennen die Schmerzen, die Quälerei, die Müdigkeit, den Hunger. Aber sie kennen auch erste Erfolge und wissen, wie Applaus klingt.

Das Streben nach Perfektion, Zweifel und Anstrengung prägen das Leben der Teenager, die so unglaublich reif, zielstrebig und diszipliniert wirken. Nur in Augenblicken erwischt sie die Kamera beim Herumalbern, Tratschen oder Abhängen in einem Café. Stephanus Domanig setzt in seiner behutsamen, diskreten Dokumentation auf reinen Originalton und erzählt seine Geschichte mit den Worten der Mädchen selbst, von deren Eltern und Lehrerinnen.

«Ballett ist mein größter Traum», erklärt Dina aus Russland schlicht, und ihr Vater gibt zu, dass er mit Tanz überhaupt nichts anzufangen wusste, bis zu dem Augenblick, als er seine Tochter auf der Bühne sah, «die Begeisterung und die Leidenschaft in ihren Augen». Auch Nataschas Mutter hat vor dem Willen der Tochter kapituliert: «Wenn Tanz wirklich ihr Leben ist, werden wir das akzeptieren».

Domanigs Dokumentation berichtet ungeschönt von Schmerz, Enttäuschung und harter Arbeit. Sie erzählt aber auch eine packende Geschichte darüber, welche Kraft und Leidenschaft junge Menschen aufbringen, um ihren Traum zu verwirklichen.

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Autor
Irmgard Rieger, dpa
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    27. April 2012, 13:52 Uhr
    Aktualisiert:
    27. April 2012, 13:54 Uhr