Tipps für den Kauf
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Turin (dpa/tmn) Ein junger Mann rast im roten Sportwagen seiner großen Liebe hinterher - über die sonnendurchfluteten Hügel Kaliforniens, über die Golden Gate Bridge. Dazu singen Simon and Garfunkel von «Mrs. Robinson».
Osso di Sepia bedeutet Tintenfischknochen - und genau daran fühlte sich mancher beim Betrachten des Alfa Spider mit Rundheck erinnert. (Bild: Alfa Romeo/dpa/tmn)
Besser kann man das große Cabrio-Freiheitsgefühl kaum in Szene setzen. Und so wurden mit dem Kinoklassiker «Die Reifeprüfung» beide zum Weltstar, der junge Mann alias Dustin Hoffman und der Sportwagen: der Alfa Romeo Spider.
Heute ist der Spider längst eine Legende, seine Liebhaber vergleichen ihn mit einer schönen Frau. Das Basismodell lief 27 Jahre lang vom Band, so lange wie kaum ein anderer Sportwagen. Doch als der Spider am 10. März 1966 auf dem Genfer Autosalon enthüllt wurde, war die Begeisterung noch nicht so groß. Einige Alfisti waren vielmehr geschockt. Zu modern erschien ihnen die Form, das lang und rund auslaufende Heck war vielen zu weiblich.
Dabei verlieh ein Großmeister unter den Autodesignern dem Spider seine Form: Battista Pininfarina, dessen Karosserieschmiede auch manchen Ferrari und Jaguar entwarf. Doch das hielt die Arbeiter der Alfa-Romeo-Werke in Arese nicht davon ab, dem Wagen einen Spitznamen zu verpassen: Osso di Sepia, Tintenfisch-Knochen. Damit machten sie sich über die ungewöhnliche Form seines Hecks lustig.
Die Werber von Alfa Romeo mussten schnell reagieren, denn selbst Händler boten den neuen Spider unter dem Schmähnamen an. Also rief Alfa die Autofans auf, dem Tintenfisch-Knochen einen neuen Namen zu geben. Die Entscheidung fiel letztlich zugunsten von Duetto - schließlich hatte der Spider zwei Sitzplätze und zwei Nockenwellen.
Dass sich der Spider bald ordentlich verkaufte, lag aber eher an seinen inneren Werten. Für 12 990 Mark bekamen deutsche Käufer einen Sportwagen mit damals seltenem Fünfgang-Getriebe, Scheibenbremsen und einem Motor mit 1,6 Liter Hubraum und 109 PS.
Die Kritik an den Rundungen des Spider zeigte bald Wirkung. Schon 1969 machte Alfa Romeo den großen Schnitt in Form einer Modellpflege: Der neue Fastback-Spider sah aus, als sei ihm das Rundheck mit dem Messer abgetrennt worden.
Der Fastback wurde bis in die 80er Jahre weitgehend unverändert gebaut. Er überstand die Cabrio-Krise der 70er Jahre und ist auch heute noch der meistgefahrene alte Spider. Besonders hoch in der Gunst der Alfisti steht der 2000 Spider Veloce. Sein 2,0-Liter-Motor leistet 131 PS, fast 200 Stundenkilometer sind damit möglich.
Mit dem 2000er war jedoch der Höhepunkt der Spider-Herrlichkeit erreicht. 1983 begann der lange Epilog, als Alfa Romeo auf dem Genfer Autosalon eine weitere Überarbeitung vorstellte: Fans und Fachpresse reagierten entsetzt auf den Kunststoff-Spoiler am Heck.
Manche Besitzer montierten den Spoiler kurzerhand ab, um die klassische Fastback-Heckform freizulegen. Doch diese Zeiten seien vorbei, sagt Lucas Cellini, Autor eines Spider-Sachbuchs: Mit dem Comeback der 80er-Moden sei die Zahl der Sammler gewachsen, die gerade die «skurrile Ästhetik» des Kunststoff-Spoilers schätzen. «Manche stehen eben auf diese Disco-Glamour-Geschichte.»
Mitte des Jahres 1993 endete die Ära der klassischen Spider-Modelle endgültig, als der letzte Wagen mit Fastback-Form und Heckantrieb ausgeliefert wurde. Sein Nachfolger hatte außer dem Namen nicht mehr viel mit der Legende gemein.
Literatur: Cellini, Lucas: Das neue große Alfa-Spider-Buch, Heel Verlag, 19,95 Euro, ISBN-13: 978-3898805407.

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