Was sind eigentlich die Vorteile eines Personal Trainers? Er ist nicht nur Antreiber, er geht auch gezielt auf jeweilige körperliche Bedürfnisse ein. Wir haben es ausprobiert.Von Susanne Linnenkamp
Das Handy piept, eine neue SMS: „Hier schreibt das schlechte Gewissen! Was macht das Training?“ Mein schlechtes Gewissen hat Gesicht und Namen: Holger Wohlfahrt. Er ist mein Personal Trainer.
Seine Mission: mich fit und damit mein Leben besser zu machen. Soweit die Theorie, in der Praxis hingegen ... „Noch drei, noch zwei, noch einen und halten – und noch einen für den Trainer, noch einen für dich, noch einen für...“ – niemanden mehr, keinen weiteren Sit-up, egal für wen. Der Schweiß fließt, ich bin erledigt, meine Bauchmuskulatur zittert von ganz alleine. „Das fühlt sich doch gut an“, grinst der Trainer, der entspannt zusieht, wie ich mich vom Boden aufrappele. Gut? Das Leben besser machen? Ich will den Kerl beschimpfen. „Das wollen alle meine Kunden irgendwann mal“, gibt Holger Wohlfahrt zu.
Vom Studenten über den Manager und die Hausfrau
Der 34-Jährige betreut als Personal Trainer rund ein Dutzend „Sportler“, vom Studenten über den Manager und die Hausfrau bis zum 60-Jährigen. „Sie haben alle unterschiedliche Ziele. Der eine will beim Halbmarathon starten, der andere etwas dauerhaft gegen seine Rückenprobleme tun. Aber eines haben alle gemeinsam: Sie waren an einem Punkt in ihrem Leben, an dem sie gemerkt haben: So geht das nicht weiter, ich muss etwas tun. Sie haben alle eine Geschichte.“
Meine lautete: Umzug, Ellbogenbruch, Schmerzen, Dauer-Schlechte-Laune, schlapp und lustlos. Als der Gips nach Wochen endlich abkam, ein Versuch: Sport als Aggressions-Abbau, als Fitmacher, als Stimmungs-Aufheller. Ein Fiasko: Nach 20 Minuten auf dem Laufband im Fitness-Studio war mein Puls jenseits von Gut und Böse, mein knallroter Kopf kurz vorm Platzen und meine Laune auf dem Tiefpunkt.
Dringender Hilferuf von Susanne
„Dies ist ein dringender Hilferuf von Susanne...“ – so fing sie an, die Mail, die ich Holger schickte. Zwei Tage später standen wir zusammen im Studio. Meine Ziele: Kondition bekommen, eine Stunde Joggen können, meinen Arm normal belasten und Spaß am Training haben.
„Noch drei, noch zwei – lächeln: Sport macht Spaß – noch ein Klappmesser – und noch eins für ...“ Ich hasse den Kerl. „Sieht doch schon gut aus. Und wie fühlst du dich?“ Wie ich mich fühle, um Luft ringend, mit Schweißperlen auf der Stirn, schmerzenden Beinen? Total kaputt und ausgelaugt, aber irgendwie auch gut. Fünf Monate Training mit Personal Coach haben ihre Spuren hinterlassen: Probetraining, Fitness-Check, spezielle Kraftübungen für den lädierten Arm und das vom Handball angeschlagene Knie, Muskelaufbau, Gerätetraining. Und immer wieder aufs vermaledeite Laufband: anfangs mit Pulsuhr, mehr gehen als laufen. Riesen-Glücksgefühl nach zwei Monaten: das erste Mal eine Dreiviertelstunde durchgelaufen.
Immer bis zur Leistungsgrenze
Zweimal die Woche Training im Studio, einmal 1:1 mit Holger. Hier geht´s immer an die Leistungsgrenze. „Das ist richtig effektiv“, weiß der Trainer. Seine Lieblings-Übungen? „Die, die dir richtig weh tun“, grinst er. Und steigert das Programm: Intervall-Läufe, Rudern, Cross-Trainer. Dazu: Trainingsprotokolle, Ernährungs-Tagebuch. „Das gehört dazu. Bewegung und die richtige Ernährung geben Lebenskraft und Wohlbefinde. Eine runde Sache“, erklärt der Coach.
Kurz vor Weihnachten kommt per Mail ein neuer Trainingsplan: Eine Stunde laufen steht da neben vielen anderen Übungen lapidar. Eines meiner Ziele. Bin ich da schon? Zögernd laufe ich los, nach 40 Minuten ziehen die Waden mächtig, der Puls geht hoch, die Atmung wird unruhig. „Entspann dich“, schießt mir durch den Kopf. „Laufen macht Spaß.“ Und es klappt, es läuft rund: „60 Minuten“ – das blinkt am Zeitmesser. Ich steige vom Laufband – total kaputt, aber lächelnd. Mission erfüllt. Und jetzt geht es weiter – zu neuen Zielen. Relativ fit, voller Energie und gut gelaunt.