Angst nicht besiegt: Aids-Beratungsstelle führt jetzt auch den Schnelltest durch
HALTERN Als No Angels-Sängerin Nadja Benaissa in Haft genommen wurde, stieg die Nachfrage nach HIV-Tests in der Aids-Beratung des Kreises sprunghaft an. "Solche medialen Ereignisse verstärken das Interesse an Beratung", sagt Astrid Platzmann-Scholten, Fachärztin für Frauenheilkunde.
Astrid Platzmann-Scholten (Fachärztin für Frauenheilkunde), Claudia Schubert (Sozialpädagogin) und Christine Laubinger (Sozialarbeiterin) arbeiten in der Beratungsstelle für Aids und weitere sexuell übertragbare Erkrankungen des Kreisgesundheitsamtes. Die Beratungsstelle befindet sich in Marl. Mit Willi, dem Kondom, machen sie zuweilen auf öffentlichen Plätzen auf die Aids-Beratung aufmerksam. (Foto: Elisabeth Schrief)
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Schutzbedürfnis
Die Beratungsstelle für Aids und weitere sexuell übertragbare Erkrankungen mit Hauptsitz im Marler Gesundheitsamt am Lehmbecker Pfad ist auch Anlaufstelle für Halterner. Die Klienten bleiben allerdings in der Anonymität, eine öffentlich verwertbare Statistik wird für den Kreis daher nicht geführt.
Astrid Platzmann-Scholten umgeht die Frage nach Zahlen auf ihre Weise: „Wenn es wenig Infektionen gibt, haben wir gute präventive Arbeit geleistet. Steigt die Zahl, ist es gut, dass es uns gibt.“ Fest steht: Die Klienten kommen wegen ihres Schutzbedürfnisses nicht nur aus dem Kreis, sondern auch aus Städten darüber hinaus. Sie sind zwischen 16 und 76 Jahre alt.
Mehr Zeit bis zum Ausbruch
Aids hat ein wenig an Schrecken verloren. Vor 1995 gab es nur ein Medikament und Stationen, auf denen gestorben wurde. Heute vergeht dank Kombinationstherapie und ständig verbesserter Arzneien deutlich mehr Zeit bis zum Ausbruch der Krankheit, auch das Überleben hat sich verlängert. Aber, warnt Sozialarbeiterin Christine Laubinger, „Aids-Medikamente sind keine Aspirin-Tabletten. Die Nebenwirkungen sind teils heftig.“
Kostenlos und anonym führt die Beratungsstelle Aids-Tests durch, neuerdings auch Schnelltests. Drei Monate nach der Risikosituation liefert er innerhalb einer halben Stunde Gewissheit, ob sich der Klient infiziert hat oder nicht. Ist das Untersuchungsergebnis positiv, wird zur Bestätigung der konventionelle Test angehängt.
Diagnose schockt
Eine Aids-Diagnose schockt, aber die Beratungsstelle vermittelt vielfältige Hilfen, damit Patienten Frieden schließen können mit ihrer Krankheit. „Nicht jeder ist sofort behandlungsbedürftig, aber wenn, ist nicht mehr der Hausarzt zuständig. Fachlich qualifizierte Behandlung bieten nur Ambulanzen in Unikliniken“, sagt Astrid Platzmann-Scholten.
Aids ist nach wie vor negativ besetzt, Schuldzuweisungen und irrationale Angst sind längst nicht besiegt“, weiß Sozialpädagogin Astrid Schubert aus der Praxis. Aids-Kranke leben oft isoliert. Die Infektion komme aber nicht aus der Luft geflogen. Die Ärztin und ihr Team raten zu verantwortungsvollem Umgang mit Sexualität. Sie staunen, dass noch immer zehn Prozent der 14- bis 21-Jährigen ungeschützten Sex haben. Und wissen deshalb: „Präventionsarbeit hört nie auf.“
Anonyme Sprechstunden
Die Beratungsstelle für Aids und weitere sexuell übertragbare Erkrankungen des Kreisgesundheitsamtes bietet Sprechstunden in Recklinghausen, Marl, Castrop-Rauxel, Dorsten und Gladbeck an. Das Gesundheitsamt in Marl am Lehmbecker Pfad 31 ist montags von 8 bis 13 Uhr besetzt, dort können für alle Sprechstunden Termine vereinbart werden: Tel. (02365) 9 35 75 40. Ansprechpartnerinnen sind Astrid Platzmann (Fachärztin für Frauenheilkunde), Claudia Schubert (Sozialpädagogin), Christine Laubinger (Sozialarbeiterin) und Ute Krenz (Arzthelferin). Neben der Aids-Beratung werden anonyme und kostenlose Beratungen zu sexuell übertragbaren Krankheiten angeboten sowie Präventions- und Aufklärungsveranstaltungen für Schulen angeboten. Außerdem existiert eine „Positive Gruppe“ für Menschen mit HIV-Infektion sowie deren Angehörige.




















