Waffe direkt am Kopf: Kandaouroff-Prozess: Spurenbild gleicht einer Hinrichtung / Tränen bei der Familie
HALTERN Der Halterner Seehof-Hotelier Klaus Kandaouroff (80) ist durch einen aufgesetzten Kopfschuss getötet worden. Darauf legte sich am Freitag ein Schussspuren-Experte am Bochumer Schwurgericht fest.
Ganz links ist Verteidiger Boris Strube zu sehen, ganz rechts Verteidiger Dieter Kaufmann. Dazwischen die Angeklagten Mladen P. (rechts) und Michael M. (unkenntlich gemacht). (Foto: Werner von Braunschweig)
Das Spurenbild, so der Sachverständige des Landeskriminalamts (LKA) Düsseldorf, lasse nur einen einzigen Schluss zu: „Es muss ein Schuss aus allernächster Nähe gewesen sein.“
Die rissartige Einschuss-Wunde an der linken Kopfseite des getöteten Millionärs und die in großem Umfang nachgewiesenen Schmauch- und Pulverreste „sprechen für einen aufgesetzten Schuss“. Die Distanz zwischen Revolverlauf und Kopf bezifferte der LKA-Experte auf maximal 5 bis 10 Millimeter.
Die Version des Todesschützen Mladen P. von einem vermeintlich versehentlichen Drehschuss ist dadurch gehörig ins Wanken geraten. Der Halterner hatte im Prozess beteuert, er habe bei dem geplanten Überfall keinesfalls auf den Kopf gezielt.
„Wenn ich mich genau erinnere, hatte ich die Waffe in Nähe der Hüfte“, hieß es in seiner Geständnis-Erklärung wörtlich. Bei einer Drehung nach hinten zu seinem Komplizen Michael M. habe es dann auf einmal „geknallt“.
Praktisch sofort tot
Traurige Blicke, bittere Tränen: Als am Freitag vorne am Richterpult Fotos von dem erschossenen Klaus Kandaouroff gezeigt wurden, holten Tochter Anni die Emotionen ein. Leise weinend drehte sich die Nebenklägerin um und begab sich wieder zu ihrem Platz.
Der Schuss, der ihren (körperlich gesunden) Vater am 29. Mai 2010 im Flur seiner Villa in Datteln zu Boden riss, ließ nicht die geringste Überlebenschance zu. Zu massiv waren die Kopfverletzungen. Nach Ansicht des Rechtsmediziners war Klaus Kandaouroff damals praktisch sofort tot.
Die drei Angeklagten verfolgten auch den fünften Prozesstag vor dem Bochumer Schwurgericht nahezu regungslos. Das Trio war nach einem Informanten-Tipp (300 000 Euro Belohnung) festgenommen worden.
Bei der Durchsuchung im Schermbecker Haus von Michael M. (46) stießen die Ermittler auf eine Cannabis-Plantage mit 150 Pflanzen. Der Halterner Autohändler Volker H. (47) hatte in seinem VW Phaeton drei Platten Haschisch versteckt.



















