Kita-Streik: 250 Erzieherinnen stürmen das Stadthaus
MÜNSTER Etwa 250 münstersche Erzieherinnen haben am Vormittag für bessere Arbeitsbedingungen und einen neuen Tarifvertrag demonstriert. Nach einem Demonstrationszug durch die Innenstadt stürmten sie das Stadthaus und forderten Personaldezernent Dr. Wolf Heinrichs zu einer persönlichen Stellungnahme auf.
Am Dienstag und Mittwoch (2. und 3. Juni) wollen die Erzieher der städtischen Kitas in Münster wieder streiken. (Foto: dpa)
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Bei der Kundgebung nannte Verdi-Geschäftsführer Bernd Bajohr die Haltung der kommunalen Arbeitgeber eine "Ignoranz sondergleichen". Bei den derzeit laufenden Tarifverhandlungen in Berlin seien sie den Forderungen der Erzieherinnen keinen Millimeter entgegengekommen. "Das lassen wir uns nicht mehr gefallen", so Bajohr. Kinder und Jugendliche, um deren Wohl es bei dem Konflikt letztlich gehe, seien "allemal systemrelevanter als die Commerzbank oder Opel".
Anklopfen bei Heinrichs
Den münsterschen Dezernenten Heinrichs, der im Bundesvorstand des Arbeitgeberverbandes sitzt, nahmen die Gewerkschaftler besonders in die Pflicht: Er solle sich dafür einsetzen, dass sich die Arbeitsbedingungen der Erzieherinnen endlich verbessern. Als sich Heinrichs trotz wiederholter Aufforderung per Megafon nicht am Fenster zeigte, enterten die Demonstranten kurzerhand das Stadthaus und klopften an seine Bürotür.
Im anschließenden Gespräch äußerte Heinrichs Verständnis für die Forderungen der Erzieherinnen: "Es muss so schnell wie möglich ein Ergebnis her." Er betonte aber auch: "Das ist keine Sache, die in Münster entschieden werden kann." Dass die städtischen Kitas zum wiederholten Mal geschlossen bleiben, nannte Heinrichs einen "unhaltbaren Zustand". Bernd Bajohr kündigte derweil für den Mittwoch Vormittag eine erneute, weit größere Demonstration an. Dabei sollen auch Eltern und Kinder das Anliegen der Erzieherinnen unterstützen.
Zorn über städtische Briefe
Zwei Briefe der Stadt Münster an die streikenden Erzieher der 28 kommunalen Kitas haben Ende voriger Woche Verstimmungen zwischen den beiden Konfliktparteien verursacht.In dem ersten Schreiben gibt Erwin Goerke vom Personalamt den „vorsorglichen Hinweis“, dass der Streik der Erzieher nicht rechtens sei und einen arbeitsrechtlichen Verstoß darstelle und daher Sanktionen nach sich ziehen könne – wie zum Beispiel Lohnkürzungen. Goerkes Begründung: Die Gewerkschaft Verdi habe nicht alle Alternativen zum Streik ausgeschöpft, wozu sie aber angeblich verpflichtet sei.
In dem zweiten Schreiben schließt sich Stadtrat Dr. Wolf Heinrichs der Ansicht Goerkes an. Dieser Brief ist auch an die Eltern der heute und morgen bestreikten Kitas herausgegangen. Der städtische Rechtsexperte sagte allerdings, dass arbeitsrechtlichen Konsequenzen unwahrscheinlich seien. Bei den Briefen handele es sich um „bundesweite Gegenmaßnahmen“, die die kommunalen Arbeitgeberverbände beschlossen hätten.
Auch Verdi-Münsterland-Geschäftsführer Bernd Bajohr vermutet hinter den Drohungen nicht die Stadt Münster, widerspricht aber vehement der Ansicht Goerkes: „Die Teilnahme an den Streiks ist rechtmäßig.“ Offenbar versuche die Verwaltung, Druck auf die streikenden Beschäftigten auszuüben. In einem Punkt sind sich Gewerkschaft und Stadt einig: Die Briefe belasten das Verhältnis zwischen den Streikparteien nicht.























