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Medienhaus Lensing
06.02.2012 16:41 Uhr
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Fragen & Antworten: Was droht bei einer Pleite?

Berlin/Athen (dpa) Die Griechenland-Rettung nimmt immer dramatischere Züge an. Dem hoch verschuldeten Euro-Land droht die Staatspleite, sollte Athen mit dem Sparen nicht entscheidend vorankommen und sich nicht mit den privaten Gläubigern auf einen Schuldenschnitt einigen können.Von Hannes Breustedt, dpa

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Ist eine Pleite Griechenlands noch abwendbar? Manch einer hält einen Staatsbankrott inzwischen sogar für den einzig richtigen Weg. Foto: Simela Pantzartzi (Foto: dpa)

Doch was passiert, wenn die Bemühungen tatsächlich scheitern? Wichtige Fragen und Antworten zum Thema:

Wieso drängt die Zeit?

Griechenland braucht nach wie vor dringend Geld. Derzeit prüft die «Troika» der internationalen Finanzkontrolleure von EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) vor Ort die Bücher der griechischen Administration. Von ihrem Urteil hängt ab, ob Athen die nächste Tranche aus dem ersten Rettungspaket erhält und den Weg für das geplante neue 130-Milliarden-Euro-Hilfsprogramm freigibt. Klappt dies nicht, ist das Land Ende März pleite.

Was wäre so schlimm an einer Pleite Athens?

Insolvenzen kennt man normalerweise nur von Unternehmen, die nach dem Gang zum Gericht in aller Regel einen Verwalter an die Seite gestellt bekommen. Das geschieht beispielsweise in Deutschland nach einem gesetzlich geregelten Verfahren. Im Idealfall gesundet das Unternehmen dann und startet nach dem Insolvenzverfahren wieder durch. Bei Staaten gibt es ein solches geregeltes Procedere nicht. Es könnte also kein Insolvenzverwalter das Staatsvermögen unter den Gläubigern aufteilen. Gleichwohl sind Staatspleiten auch in der jüngsten Geschichte keine Seltenheit. Gefürchtet wird im Fall Griechenland vor allem die «ungeordnete Insolvenz». Denn diese könnten etliche Gläubiger Griechenlands wohl nicht verkraften.

Was bedeutet «ungeordnete Insolvenz» denn?

Angenommen, jemand hat Schulden in Höhe von 100 Euro. Steht diese Person vor der Pleite, kann sie das Geld nicht komplett zurückzahlen und bietet stattdessen beispielsweise 50 Euro an. Wenn sich der Kreditgeber damit zufriedengibt, spricht man im Allgemeinen von einem geordneten Zahlungsausfall. Verweigert der Schuldner aber die Rückzahlung oder bleibt keine Zeit mehr für eine Einigung, handelt es sich um eine - im Falle Griechenlands gefürchtete - «ungeordnete Insolvenz».

Eine große Unbekannte sind in diesem Zusammenhang auch die Kreditausfallversicherungen, sogenannte Credit Default Swaps (CDS). Damit sichern sich Investoren gegen den Ausfall von Anleihen ab. Das Problem: Der CDS-Markt ist weitgehend unreguliert - und viele Investoren nutzen dieses Instrument nicht allein als Schutz, sondern auch für Spekulationen. Niemand weiß, wie groß das Volumen solcher Kontrakte ist und welche Risiken sich dahinter für das Finanzsystem verstecken.

Was wird im «Falles des Falles» konkret in Griechenland befürchtet?

Eine Staatspleite würde das Land zunächst wohl noch tiefer ins wirtschaftliche Chaos stürzen. Ein Austritt aus dem Euro wäre die logische Konsequenz. Und die Einführung der alten Währung, der Drachme, sofern technisch überhaupt möglich, dürfte höchstwahrscheinlich wegen der mangelnden Wirtschaftskraft mit einer hohen Abwertung einhergehen. Außerdem müsste das Land seine Staatsausgaben angesichts mangelnder Kreditwürdigkeit drastisch reduzieren. In den vergangenen Monaten geisterten verschiedene «Horrorszenarien» durch die griechischen Medien: Von einem Run auf die Banken, Sprit-Rationierung, Lohn-Kappung und Medikamenten-Knappheit war schon die Rede.

Wären die Auswirkungen in Europa dagegen nicht überschaubar?

Viele Experten befürchten einen Domino-Effekt und damit ein Übergreifen auf andere Staaten, wenn nicht gar einen Flächenbrand wie nach dem Crash der US-Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008. Auch wären viele Gläubiger auf einen abrupten und drastischen Zahlungsausfall nicht vorbereitet - allen voran etliche Banken in Europa, die griechische Anleihen in ihren Büchern haben. Viele dieser Institute müssten diese abschreiben und würden wegen einer zu dünnen Eigenkapitaldecke in Schieflage geraten.

Doch auch für andere hoch verschuldete Euro-Staaten ist das Risiko in einem solchen Fall kaum kalkulierbar: Irland und Portugal mussten schon nach der ersten Zuspitzung der Griechenland-Krise gerettet werden. Danach weitete sich die Krise auch auf Italien und Spanien aus. Zuletzt verlor die zweitgrößte Euro-Volkswirtschaft Frankreich ihre Top-Note in Sachen Kreditwürdigkeit bei der Ratingagentur Standard & Poor's.



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