Hintergründe und Rückblick
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Athen (dpa) Nach dem Selbstmord eines Rentners ist es in der Nacht in Athen zu Ausschreitungen gekommen. Dutzende aufgebrachte Demonstranten, unter ihnen Vermummte, warfen Steine und Brandflaschen auf die Polizei. Die Beamten setzten Tränengas und Schlagstöcke ein.
Der Tod eines 77-Jährigen war Anlass für neue, gewalttätige Demonstrationen gegen das griechische Sparprogramm. Foto: Orestis Panagiotou (Foto: dpa)
Zehn Menschen seien festgenommen worden, teilte die Polizei mit. Zwei Menschen wurden nach Krankenhausangaben verletzt. Auslöser der Proteste war der Selbstmord eines 77 Jahre alten Griechen, der sich am Mittwoch mitten auf dem zentralen Syntagmaplatz vor dem griechischen Parlament das Leben genommen hatte.
Wie ein Polizeioffizier dem griechischen Rundfunk sagte, habe der Rentner in einem Abschiedsbrief als Grund für seinen Selbstmord die Angst vor dem sozialen Abstieg wegen der Finanzkrise genannt. «Ich gehe, bevor ich meinem Kind zur Last falle und im Müll suchen muss», habe der 77-Jährige geschrieben. Nach Angaben von Augenzeugen hatte sich der Mann mit einer Pistole in den Kopf geschossen. Er war auf der Stelle tot. Nachbarn bezeichneten den Apotheker als sehr ruhigen Menschen.
Am Donnerstagmorgen beruhigte sich die Lage in der griechischen Hauptstadt wieder. Ministerpräsident Lucas Papademos rief die Griechen zu Besonnenheit auf: «In diesen schwierigen Stunden für unsere Gesellschaft müssen wir alle - Staat und Bürger - Mitmenschen stützen, die verzweifelt sind», erklärte der Ministerpräsident.
In Griechenland sollen sich nach Schätzungen von Psychiatern seit Ausbruch der schweren Finanzkrise 2009 etwa 1500 Menschen das Leben genommen haben. «Aus Daten, die uns vorliegen, ist die Zahl der Suizide in den letzten drei Jahren schätzungsweise um etwa 20 Prozent gestiegen», sagte Psychiater Vassilis Kontaxakis im Rundfunk. Man könne aber nicht klar definieren, inwiefern allein die Finanzkrise dafür verantwortlich sei. Auch andere Faktoren spielten eine wichtige Rolle. Gesundheitsminister Andreas Loverdos hatte vor einigen Wochen sogar von 40 Prozent mehr Selbsttötungen gesprochen.
Nach Einschätzung des Chefs der konservativen Partei Nea Dimokratia (ND), Antonis Samaras, leiden die Griechen an einer «nationalen Depression». «Wir haben einen Rekord von Selbstmorden», sagte er am Donnerstag im griechischen Fernsehen. Das Land müsse schnell aus dieser Situation raus, hieß es. Sozialistenchef Evangelos Venizelos plädierte im Fernsehen für Zurückhaltung und warnte vor «billigen und unzutreffenden Kommentaren».
Die Einkommen der Griechen sind in den vergangenen drei Jahren um etwa ein Fünftel zurückgegangen. Zudem stieg die Arbeitslosigkeit auf Rekordwerte um die 21 Prozent. Zehntausende Rentner müssen mit etwa 500 Euro auskommen.
Am Donnerstagnachmittag versammelten sich erneut Dutzende Menschen an der Stelle, wo sich am Vortag der 77-jährige das Leben nahm. Die Lage blieb aber ruhig.
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