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Interview
Die Ludolfs: Casanovas, Schrauber, Schrottfahrer
Von Tobias Kempkes am 20. November 2009 17:33 Uhr
DERNBACH Sie sind die berühmtesten Schrotthändler Deutschlands. Ihre Sendung beim Spartensender DMAX ist ein Quoten-Hit. Das Leben der vier Ludolf-Brüder im rheinland-pfälzischen Dernbach im Westerwald ist Kult. Wie gefährlich das ist und worauf sich die weiblichen Fans dort freuen können, verraten Uwe (58) und Manfred Ludolf (47) – genannt „Manni" – im Gespräch.
Weihnachtsvorbereitungen
Die Ludolfs (v.l.n.r.: Peter, Manni, Uwe, Günther).
dpa/DMAX
Wo sind denn eigentlich Günter (56) und Peter (54)?

Uwe: Der Günter bleibt meistens lieber Zuhause in Dernbach. Einer muss doch die Firma aufpassen. Und der Peter hat sich letztens im Auto am Rücken verletzt. Der konnte leider auch nicht kommen.

Ist das bei einem Ihrer Stunts passiert, die sie manchmal in Ihrer Sendung veranstalten?

Uwe: Ja, wenn wir privat fahren, dann haben wir ja keine Überroll-Bügel im Auto. Da fahren wir einfach drauf los. Mehr wie knallen kann es ja nicht. Mir ist ja auch noch nie etwas passiert.

Sie haben eine Lebensversicherung?
Uwe: Nein, mehr wie den Kopf einfahren kannst du dir ja nicht. Und ich hab in meinem Leben schon einige tausend Autos kaputt gemacht.

Dann sind das alles Ihre Ideen? Die stehen nicht im Drehbuch?
Uwe: Nein, unser Leben ist das Schrauben und das wird ja nur verfilmt. Dabei gibt es kein Drehbuch. Ich bin schon mit neun Jahren Autos gefahren. Da hab' ich schon einiges erlebt.

Und was?

Uwe: Explosionen, Verbrennungen... – das meiste hab' ich selbst zusammen geflickt, immer mal wieder 'ne kleine Wunde mit Nadel und Faden zusammengenäht. Dafür brauchen wir keinen Arzt und wir leben ja immer noch.

Schreitet Ihr Sender DMAX da nicht ein?
Manni: DMAX gibt uns viele Freiheiten, was andere Sender vielleicht nicht tun würden. Ich will auch so bleiben wie ich bin.
Uwe: Wir lassen uns einfach irgendetwas einfallen und halten drauf los. Das ist unser Leben, dafür brauchst Du kein Drehbuch. Der Manni hat viele Dollheiten im Kopf, der lässt sich immer etwas einfallen.

Zum Beispiel?
Manni: Letztens die lebende Skulptur. Da kam ich auf die Idee, mich mit Farbe bespritzen zu lassen.
Uwe: Und dann sind wir über die Autos gelaufen und haben sie bunt gemacht.

Also, Manni denkt sich die „Dollheiten“ aus. Sie gelten aber eher als der Casanova?
Uwe: Ich bin das wirklich – schon immer gewesen. Wenn ich ein Mädchen sehe, muss ich der ein Küsschen geben. Jede Frau bekommt von mir einen Kuss.

Über wie viele weibliche Fans sprechen wir denn?
Uwe: Das sind am Tag ein- bis zweihundert. Insgesamt kommen im Schnitt zwei-, dreihundert bis zu sechs, sieben Hundert.

..., die Ihnen auch Heiratsangebote machen?
Uwe: Ja, Dutzende (lacht).

Und was sagt Ihre Frau dazu?

Uwe: Ich sag mal: Appetit holt man sich außerhalb, gegessen wird zuhause. Ich mag alle Frauen dieser Welt – besonders meine Frau (lacht).

Kommen Sie überhaupt noch zum Arbeiten?

Uwe: Ja, wir müssen schrauben. Wir müssen ja Geld verdienen.

Als Autoverwerter haben Sie bestimmt viel Arbeit mit den Folgen der Abwrackprämie?

Manni: Oje, massig. Viel zu viele Autos.
Uwe: Wir mussten Hallen anmieten, um die unterzubringen. Die Leute haben keine alten Autos, sondern moderne abgewrackt: 1999er-Modelle, Golf IV usw.. Für uns ist das gut, aber wir hätten mehr die alten abwracken müssen.
Manni: Wir mussten aber auch irgendwie die Wirtschaft ankurbeln. Jeder einzelne Arbeitsplatz wie bei Opel in Bochum, der verloren geht, trifft eine Familie.

Stimmt es eigentlich, dass Sie gebürtig aus dem Ruhrgebiet kommen?

Uwe: Ja, meine Geschwister sind geborene Wittener. Der Günther und der Peter sind sogar in einer Wohnung geboren. Früher ging das ja noch mit den Hebammen. Ich komme zwar gebürtig aus Holstein, bin aber auch im Ruhrgebiet aufgewachsen.

Sie haben damals also in Witten gelebt und gearbeitet?

Uwe: Wir haben früher in Witten gewohnt. Vor 59 Jahren haben unsere Eltern die Firma in Bochum-Langendreer gegründet. Da, wo heute ein Vogel-Naturschutzgebiet ist, haben wir unseren Platz gehabt. 1971 sind wir mit 24/25 in den Westerwald abgehauen – wegen der Arbeitslosigkeit.
Manni: Wir sind echte Ruhrpott-Neger, Kohlenpott-Neger – und stolz drauf. Wir haben ja unser Leben im Ruhrgebiet verbracht. Das ist unsere Heimat.
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