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2000 Jahre Varus-Schlacht
am 26. Februar 2009 12:38 Uhr
Es waren drei kühle, regnerische Tage, an denen vor genau zwei Jahrtausenden fast 20 000 römische Soldaten in den Weiten Westfalens im Gemetzel gegen Germanen verbluteten.
Ausstellung zur Varus-Schlacht
Ein Kameo (Relief nach außen) des Drusus oder Germanicus in Haltern

War es schnöder Verrat oder eine «nationale» Großtat, mit der Cheruskerfürst Arminius im Jahr 9 nach Christus dem kraftstrotzenden Imperium Romanum seine bisher größte Niederlage beibrachte und den Drang der Legionen in das unbesetzte Germanien bremste?

Antwort auf diese fast «weltanschauliche» Frage deutscher Identität dürften drei große Archäologie-Ausstellungen bieten, die ab Mitte Mai - teils an Originalschauplätzen - in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen das epochale Geschehen dokumentieren. Die Präsentationen «Imperium-Konflikt-Mythos» im westfälischen Haltern, im lippischen Detmold sowie in Kalkriese nahe Osnabrück werden vom 16. Mai bis zum 25. Oktober die historische Niederlage der Römer, den allmählichen Aufstieg der Germanen und die Verklärung des Arminius zum treudeutschen «Hermann» zeigen.

Tausende archäologische Fundstücke vom vermuteten Schlachtort in Kalkriese am Wiehengebirge bis zu herausragenden römischen Kunstwerken aus Museen wie dem Louvre oder den Vatikanischen Sammlungen sollen dabei zu sehen sein. Zur Eröffnung wird auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erwartet. Bereits 400 Führungen in die Vergangenheit seien allein in Haltern bis jetzt von Gruppen gebucht, teilte der Landschaftsverband am Donnerstag in Münster mit.

Nahe dem ehemaligen Militärlager der untergegangenen 19. Legion des Varus, in Haltern an der Lippe, stehe der Weg Roms zur Weltmacht im Mittelpunkt, erklärte Museumschef Rudolf Aßkamp. Mit Porträtbüsten von Cleopatra oder Caesar, mit Statuen römischer Ahnenverehrung wie dem «Togatus Barberini» oder Wandmalereien aus kaiserlichen Villen werde hier das «Goldene Zeitalter» unter Kaiser Augustus lebendig. Auch die glanzvolle politische Karriere des später als Versager hingestellten Feldherrn Varus mache die Ausstellung deutlich, sagte der Museumschef: «Wir wollen diesen Mann rehabilitieren.» Sicher besaß der adlige Römer eine ähnliche Waffe, wie das in Haltern zu sehende kostbare «Schwert des Tiberius».

In Kalkriese als einem der möglichen Orte der Varus-Schlacht, bilden zahlreiche Bodenfunde das «Puzzle» eines blutigen Kampfes zwischen Römern und Germanen. Die Rüstungsteile, Münzen oder Skelettreste werden von vielen Wissenschaftlern als Relikte der Varus-Legionen gedeutet. «Die Besucher sollen sehen, was man mit den Ausgrabungsstücken alles rekonstruieren kann», erklärt die Archäologin Heidrun Derks. Endgültige Antworten zum «Wo» des blutigen Geschehens seien hier jedoch nicht geplant. Kostbare, erstmals in Deutschland zu sehende Schatzfunde aus Dänemark - einst als Waffenopfer in einem See versenkt - oder die Beigaben eines Fürstengrabs von der Donau belegen den allmählichen Aufstieg germanischer Völker und Könige in späteren Jahrhunderten.

Als «Nachbar» des monumentalen Hermannsdenkmals im Teutoburger Wald nimmt sich das Lippische Landesmuseum in Detmold des schon zu Römerzeiten entstehenden Mythos rund um den Cheruskerfürsten an, der schließlich zum Held der Deutschen wurde. Hier treffen kitschige Schlachtengemälde des 19. Jahrhunderts auf römische Bildwerke, barocke Opernlibretti über den Triumph des Arminius auf Belege geschichtsklitternder Nazi-Propaganda rings um die Varus-Schlacht. Wer aufmerksam die Detmolder Dokumentation studiert, wird bemerken, dass weiland auch der Reformator Martin Luther seinen Teil zur Hermann-Verklärung beigetragen hat.

 
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