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Ausgrabungen in Troja gehen weiter
am 30. Dezember 2008 15:19 Uhr
Die finanziell gefährdeten Ausgrabungen in der antiken Stadt Troja werden voraussichtlich doch fortgesetzt. Der Grabungsleiter, der Tübinger Professor Ernst Pernicka, sagte in Mannheim, dank einer großzügigen Privatspende könnten die Archäologen im kommenden Jahr weiterarbeiten.
Ernst Pernicka in Troja
Der Leiter der Troja-Ausgrabungen, Prof. Ernst Pernicka, vor der Stadtmauer von Troja.

Im vergangenen Sommer hatte es noch geheißen, die Ausgrabungen in der heutigen Westtürkei müssten nach gut 20 Jahren aufgrund der auslaufenden Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) beendet werden.

Pernicka kündigte an, den Verlauf eines Wehrgrabens durch Bohrungen und einen neuen Grabungsschnitt weiter zu untersuchen. Außerdem wollen die Forscher die Geländeoberfläche in und um Troja mit einem speziellen Laser-Messgerät aus der Luft genauer als bisher aufzeichnen. Das «Airborn Laserscanning» ermöglicht es, auch kleinste Erhebungen und Vertiefungen zu erfassen, die oft durch die Vegetation verdeckt werden.

Mit den Messdaten hofft Pernicka auch ein detailliertes virtuelles Modell Trojas zu bekommen. Dieses könnte den Besuchern in dem geplanten Museum die Lage und den Aufbau der Stadt plastisch zeigen. Voraussetzung für die Lasermessung ist allerdings, dass die Volkswagenstiftung die dafür beantragten Mittel genehmigt.

Das weltberühmte Epos «Ilias» des Dichters Homer über die Eroberung Trojas durch die Griechen gilt als älteste Dichtung des Abendlandes. Seit der Wiederentdeckung der alten Stätte im 19. Jahrhundert versuchten Hunderte Forscher, die Geheimnisse der legendären Stadt zu lüften.

Der Graben aus der Bronzezeit, der die Unterstadt der Festung umgibt, ist bisher auf 1,4 Kilometer Länge nachgewiesen. Sein Verlauf lässt Rückschlüsse auf die Ausdehnung Trojas vor rund 3500 Jahren zu. In dieser Epoche etwa spielt auch die «Ilias». Allerdings ist die Deutung des Grabens als militärisches Bollwerk in der Wissenschaft umstritten. Pernicka ist überzeugt, dass die Lage des Grabens mit einer Tiefe von zwei Metern und einer Breite von vier Metern die These untermauert, dass Troja in der späten Bronzezeit (1750 bis 1300 v. Chr.) eine Fläche von 35 Hektar und bis zu 10 000 Einwohner hatte.

Im vergangenen August hatten die Archäologen nach langer Suche die Fortsetzung des Grabens in östlicher Richtung entdeckt. Sie waren zudem auf eine Unterbrechung gestoßen und hatten damit eine weitere Toranlage freigelegt, die den Trojanern den Übergang über den Graben ermöglichte.

Allerdings werden die weiteren Ausgrabungen nach Pernickas Worten durch die Reste früherer wissenschaftlicher Arbeit behindert. Denn sein Vorgänger, der vor drei Jahren verstorbene Tübinger Archäologe Manfred Korfmann und sein Team, hatten Erdaushub und Schutt genau in diesem Gelände abgeladen, wo die Forscher nun den Spaten ansetzen wollen. «Man überlegt sich in der Archäologie zwar vorher immer genau, wo man den Schutt lagert. Trotzdem passiert es immer wieder, dass man später genau dort weitergraben will», erklärte Pernicka.

Korfmann hatte 1988 die jüngste Grabungskampagne in Troja begonnen. Er und sein Team hatten mit vielen Funden dazu beigetragen, das Wissen um die antike Stadt zu erweitern.

 
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