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prinz regent theater
„Helden wie wir“ ist scharfer Kommentar zum Mauerfall
Von Max Florian Kühlem am 9. November 2009 06:50 Uhr
BOCHUM In Thomas Brussigs Roman „Helden wie wir“ ist Klaus Uhltzscht der Held aus dem wohl witzigsten und schärfsten Kommentar zur Wende. Und der ist im prinz regent theater zu sehen.
Martin Molitor spielt Klaus Uhltzscht im Mauerfall-Stück "Helden wie wir".
Foto: prinz regent theater
Klaus Meines Pfeifen, das vom „Wind Of Change“ kündet, mischt sich mit „Wir sind das Volk“-Rufen. Über den Fernsehbildschirm flackern die bekannten Bilder vom Mauerfall. Bis Klaus Uhltzscht es nicht mehr aushält: „Das war doch ich!“, schreit er.
Uhltzscht, kongenial verkörpert von Martin Molitor, der mit Regisseur Eike Hannemann einen brillanten Monolog aus der Vorlage destilliert hat, ist eine merkwürdige Figur, die bis zur Mitgliedschaft in der Stasi zwar eine typische DDR-Biographie lebt, aber kopfmäßig doch ganz anders tickt.

Im (Stasi)Archiv seines Lebens wühlen

Ein viel größeres Thema als die Ernst-Thälmann-Pioniere und der Dienst in der NVA sind ihm sein zu klein geratenes Geschlechtsteil und das gestörte Verhältnis zu den Eltern – Mitläufern, wie er sie überall um sich herum ausmacht.

Im prinz regent theater bewegt sich Martin Molitor in einer Art Stasi-Aktenraum, wühlt sich durch das präzise eingerichtete Archiv seines Lebens (Bühne: Joachim Kiel). Sogar Toast und Wurst, die er bei seinem ersten Einsatz als Spitzel aß, finden sich da gelocht und abgeheftet. Die „multimedialen“ Zuspieler, durch die der Theater-Solist ins Interagieren gerät, stammen von einem im Aktenordner versteckten Kassettendeck.

Wunderbar strahlender Anti-Held

Molitor stellt ein Bild der DDR-Moderatorin Dagmar Frederic auf („Was verruchteres kam uns nicht auf den Bildschirm“), im Soundtrack des Stücks finden sich Pionierlieder und Ost-Hits wie „Sag mir wo du stehst“ von Team 4. Das Ostalgie-Level bleibt trotzdem erträglich, weil es durch Uhltzscht verkorkste Geschichte ständig gebrochen wird, weil Molitor ihn so wunderbar zu einem strahlenden Anti-Helden macht.

Mehrmals wendet sich sein Vor- und Nach-Wende-Verlierer direkt ans Publikum, fordert im leicht näselnden Sächsisch Reaktionen ein. Und unterstreicht damit, dass der Abend nicht nur eine Stand up-Comedy- oder Kabarett-Veranstaltung ist, sondern durchaus ein denkwürdiger, kritischer Kommentar zum Mauerfall. Nach einem überraschenden, sehr starken Schlussbild brandet großer Applaus auf.
 
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