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Medienhaus Lensing
22.01.2012 16:40 Uhr
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Konzert: Neville Marriner in Essen: Abschied einer Dirigenten-Legende

ESSEN Ein viel schöneres Programm kann man einem Klassik-Hörer nicht servieren als das am Samstagabend in Essen: Beethovens Violinkonzert, kombiniert mit Dvoráks Symphonie "Aus der neuen Welt". Das ganze dargebracht vom bekanntesten Kammerorchester der Welt, der "Academy of St. Martin in the Fields" unter Leitung der 87-jährigen Legende Sir Neville Marriner. Eine Mischung, die eine (fast) ausverkaufte Philharmonie garantierte.Von Matthias Langrock

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Der 87-jährige Sir Neville Marriner gastierte letztmalig im Ruhrgebiet.  (Foto: dpa)

Erfrischend der Auftakt: Die Ouvertüre zu "Ein Morgen, ein Mittag und ein Abend in Wien" von Franz von Suppé dirigiert Marriner so, als wäre er frisch vom Neujahrskonzert aus Wien angereist.

Zu Scherzen aufgelegt

Sir Neville zu beobachten, ist ein Ereignis: Man würde den Briten beleidigen, wenn man ihn als "rüstig" bezeichnete. Mit der Präsenz und Agilität eines rund 20 Jahre Jüngeren steht er am Pult. Und ist nach zwei Stunden noch für einen Scherz zu haben, als er den obligatorischen Blumenstrauß bekommt, die Überbringerin sich aber vor seinem Dank wieder abwendet. Da schüttelt Sir Neville eben einfach der Luft die Hand ...

Solist Nikolaj Znaider

Die Leistung der anderen Interpreten hält leider nicht mit der des Maestros mit. Natürlich klingt die "Neue Welt" grandios - weil Dvorák sie grandios geschrieben hat. Doch die sonst so brillante Academy spielt nicht frei von Wacklern. Das Beethovenkonzert ist ein Hörgenuss, bereit, sofort aufgenommen zu werden. Doch ist es eben auch nur wie CD, das Besondere des Live-Ereignisses fehlt der Interpretation von Solist Nikolaj Znaider ein wenig (der im Programm als Cellist angekündigt war). Zu glatt wirkt, was er spielt.

Letzte Abend im Ruhrgebiet

Wenn der Abend der letzte von Sir Neville im Ruhrgebiet gewesen sein sollte, hat er es sich kaum anmerken lassen. Minutenlang hätte er sich von den stehend applaudierenden Essenern feiern lassen können - doch Marriner spielt die einzige Zugabe schon beim zweiten "Vorhang". Bei dieser Zugabe, dem Abschiedsvolkslied "Danny Boy", empfindet man Wehmut beim Gedanken, dass man diesen großen Künstler wohl nicht mehr live erleben wird.

 



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