Jahrhunderthalle Bochum: Butch Miles und Chris Hopkins zwingend swingend
BOCHUM Echt schmissig war die Musik, die die Zuschauer in der Bochumer Jahrhunderthalle von "Chris Hopkins & The International Swing Party" serviert bekommen haben. Guter alter Jazz, doch keineswegs betagt.
Butch Miles in Aktion. (Foto: Brinkmann)
Virtuosen am Werk
Schauplatz der sonntäglichen Swing-Party war die Bochumer Jahrhunderthalle, die nach Aufstockung des Kartenkontingents auch für 1500 Jazz-Freunde Platz bot. Die Fans mögen betagt sein, die Masse der Songs hat 60, 70 Jahre auf dem Buckel: Die Musik aber perlt und funkelt taufrisch. Das hat Drive und Schmiss, lässt die Füße wippen, erfreut Ohr und Kopf.
Das Repertoire des Abends ruft es in Erinnerung: Bevor der Jazz zur Spielwiese genialischer Egos wurde, war er als Swing ein Dienstleister im Amüsier- und Tanzbetrieb. Quirlig sein Temperament.
Bandleader Chris Hopkins (Piano) bietet vier Bläser auf, in komplexen, doch immer transparenten Arrangements. Virtuosen am Werk. Dan Barrett lässt die Posaune maunzen wie eine Katze ("Keeping Out Of Mistress"). Bei Benny Goodmans "If I Had You" produziert er einen urbanen Mitternachts-Sound, der an Edward Hoppers Gemälde "Nighthawks" denken lässt. Extrem stimmungsvoll.
Sinnliche Singstimme
Mit "Dina" wird's dann wieder feurig: Eddie Erickson (am Banjo beherrscht er fingerbrecherischen Ragtime) singt à la Satchmo. Duke Heitger legt mit langer Luft ein Trompetensolo vor, das ihn krebsrot anlaufen lässt, und die Holzbläser (Dan Block, Engelbert Wrobel) wuseln geschmeidig umeinander. Zwingend swingend.
Den Kontrabass bedient Nicki Parrott, schön elastisch ihr Klang. Eine sexy sinnliche Singstimme hat sie, zu hören in Cole Porters "Let's Do it" mit neuem Text: "Bienen tun es, Vögel tun es, Sarkozy und auch Westerwelle tun es." Swing der Extraklasse. Zeit- und alterslos, von imponierender Eleganz, Weltläufigkeit und emotionaler Tiefe.












