Fazil Says Geschichten aus 1001 Nacht im Harem
DORTMUND Hätte es doch mal eher so eine "Zeitinsel" mit Fazil Say im Dortmunder Konzerthaus gegeben. Wir hätten den 40-jährigen türkischen Pianisten und Komponisten geliebt - nicht nur für sein "Black Earth", auch für seine sinfonischen Werke.
Glücklich nach der Deutschen Erstaufführung: Fazil Say und Geigerin Patricia Kopatchinskaja. (Foto: Coddington)
Das kann eine Melodie am Schluss sein, die (wie in Rimsky-Korsakows "Scheherazade") am Anfang vorgestellt wird, ein türkisches Volkslied oder Vogelgezwitscher, das wir von Respighi kennen.
Herzschlag der Trommel Alles gekleidet in farbige, spätromantische Klänge, deren Herzschlag türkische Trommeln sind. So abwechslungsreich wie die Zeitinsel ist das Werk und so spontan wie der Komponist sind seine musikalischen Einfälle.Says Darstellungen vom Orient klingen ehrlicher als die von Rimsky-Korsakow, und der Türke zeigt sich als Meister der Orchestrierung. Er weiß, wie man ein Orchester schillernd farbig klingen lässt. Atmosphäre hat das Werk auch: Man riecht orientalische Gewürze und spürt heißes Flirren in der Luft.
Geschichten der Geige Die Sologeige, gespielt von Widmungsträgerin Patricia Kopatchinskaja, ist die Geschichtenerzählerin, die Scheherazade, in dieser "1001 Nacht im Harem". Die Moldawierin führte das WDR Sinfonieorchester durch die Geschichten. Spannungsvoll, emotional und sicher. Das ist ein Werk, das die Jahrhunderte gut überdauern könnte.Bei Howard Griffiths am Pult war das Violinkonzert in guten Händen; Says Uraufführung der "Istanbul-Sinfonie" mit vielen Taktwechseln wird es auch sein. Genauigkeit ist Griffiths' Stärke, das Geschichtenerzählen in Rimsky-Korsakows "Scheherazade" weniger. Die klang erdenschwer, Griffiths bewegte (wie in der orientalischen Zugabe von Nielsen) Massen, aber es fehlte raffinierte Leichtigkeit und erzählender Zusammenhang.
So geht die "Zeitinsel" im Konzerthaus Dortmund weiter:
Donnerstag (11.3.), 20 Uhr: Kammermusikabend mit Fazil Say und der Uraufführung eines neuen Kammermusikwerks von Fazil Say.
Freitag (12. 3.), 20 Uhr: spielen der türkische Perkussionist und Schauspieler Burhan Öcal und Geigerin Patricia Kopatchinskaja mit Fazil Say (Klavier) abendländische und türkische Musik.
Samstag (13.3.), 20 Uhr: Die Uraufführung der Istanbul-Sinfonie ist ausverkauft. Das Programm vorher ist geändert: Nach Bernsteins Candide-Ouvertüre spielt Say Gershwins Variationen über "I got Rhythm" und "Rhapsody in Blue".
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