Theater Dortmund: "Glückliche Tage": Grandios aufspielende Blümel
DORTMUND Überrascht ist man schon beim Einlass: Barbara Blümel in dunklem, weit fallendem Kleid steht auf einem Tisch. Der wiederum befindet sich in einem viereckigen mit halbdsurchsichtigem Plastikstoff umgebenen Raum. Die Zuschauer sehen die Szenerie wie durch einen Schleier. Während des gesamten Stücks bleibt die Optik seltsam unscharf - Samuel Becketts "Glückliche Tage" in der Regie von Uwe Hergenröder hatte Freitag Premiere im Dortmunder Studio.
Barbara Blümel als Winnie. (Foto: Stage Picture)
Küchentisch
In Becketts Original ist es ein Erdhaufen, in dem Winnie versinkt, bei Hergenröder wird sie vom Küchentisch gefangen. Zuerst steht sie auf der Tischplatte, dann ist sie bis zum Bauch darin versunken, am Ende sieht man nur noch den Kopf.
Gutes Omen
Optisch und ästhetisch äußerst eindrucksvoll. Dafür sorgt auch das Videomaterial, das im Hintergrund das Gesagte unterlegt: Winnie, wie sie versucht, die Beschriftung auf einer Zahnbürste zu lesen oder in ihrer Handtasche kramt. Manchmal wird sie auch live gefilmt und in Übergröße auf die Leinwand projiziert.
Doch "Glückliche Tage" ist kein Solo. Es gibt auch noch Willie, gespielt von Claus Dieter Clausnitzer, der über weite Strecken Zeitung lesend in der Ecke sitzt. An ihn wendet sich Winnie permanent, doch er antwortet so gut wie nie. Wenn er mal ein Grunzen ertönen lässt, nimmt sie es bereits als gutes Omen: "Oh, das ist ein glücklicher Tag."
Menschliche Gefühle Es ist kein Stück für ein entspanntes Zurücklehnen. Weil es keine Handlung gibt und weil eine einzige Schauspielerin über eineinhalb Stunden nur redet und redet, ist es stellenweise auch anstrengend für die Zuschauer.Doch was bleibt, wenn man all das und auch die aufwendige Ästhetik abzieht, ist eine grandios aufspielende Barbara Blümel, die nicht nur Massen an Text anscheinend spielerisch leicht bewältigt, sondern allein durch ihr Minenspiel die gesamte Bandbreite menschlicher Gefühle auszudrücken vermag. Unbedingt empfehlenswert!
Termine: 3., 14., 21.2.; Karten: Tel. (02 31) 5 02 72 22.












