Ruhrtriennale: Heiner Goebbels erster Spielplan bietet viel Neues
ESSEN Spannend wird die erste Triennale-Saison des neuen Intendanten Heiner Goebbels vom 17. August bis 30. September auf jeden Fall. Aber sie wird auch experimentell. Und sie hat einen deutlichen Musik-Schwerpunkt. – Mit Essen als Zentrum. Gestern stellte der 59-jährige Komponist und Regisseur sein Programm in der Kokerei Zollverein im Beisein von NRW-Kultusministerin Ute Schäfer vor.
Ruhrtriennale-Intendant Heiner Goebbels inszeniert die Cage-Oper "Europeras 1 & 2". (Foto: dpa)
Die Eröffnungspremiere, die „Europeras 1 & 2“ von John Cage haben nur einmal nach der von Cage inszenierten Uraufführung den Weg auf die Bühne gefunden.Aufwändig ist Goebbels Inszenierung in der Bochumer Jahrhunderthalle: 32 Bilder illustrieren 64 Arien, die Cage nach dem Zufallsprinzip aus der Operngeschichte zusammengefügt hat. Ob’s anregend oder aufregend für das Publikum war, sieht man im Park hinter der Jahrhunderthalle: Dort baut der mexikanische Künstler Rafael Lozano-Hemmer eine Lichtinstallation: Der Puls der Besucher steuert das Licht.
Musiktheater in der Jahrhunderthalle
Goebbels inszeniert noch ein zweites, von ihm selbst komponiertes Musiktheater in der Jahrhunderthalle. Ein Mädchenchor aus Slowenien bringt „When the mountain changed its clothing“ auf die Bühne (26.9.).
Die Tanzperformance „12 Rooms“ mit lebendigen Skulpturen im Folkwang-Museum ist wie bereits berichtet die zweite Eröffnungspremiere und Auftakt zu einer auf drei Jahre festgelegten engen Zusammenarbeit mit dem Essener Museum. Ausstellungen sollen bei der Ruhrtriennale einen größeren Raum bekommen. So gibt es zum Beispiel in der Mischanlage der Kokerei eine ständige Videoausstellung.
Zweiter Opernhöhepunkt
Lemi Ponifasios Inszenierung von Orffs „Prometheus“ in der Kraftzentrale Duisburg (ab 16.9.) ist der zweite Opernhöhepunkt des Festivals.
Im Bereich Theater gibt es sechs Produktionen. Höhepunkte sind „Life and Times“ vom Nature Theatre of Oklahoma (30.8., Zollverein), die „Playing Cards“ in der Regie von Robert Lepage auf einer 360-Grad-Bühne (21.8., Zollverein); und „Marketplace“ von Jan Lauwers, das fast ein Musiktheater ist (7.9. Jahrhunderthalle). In allen Sparten interessiert sich Goebbels für Übergänge. Zwischen Tanz und Gesang, zwischen theater und Oper und Kunst und Musik.
Fünf Tanzproduktionen
Zu den fünf Tanzproduktionen gehören „Sacre du printemps“ von Laurent Chétouane (27.8., Zollverein) und „Enfant“, ein Tanzstück mit Kindern und Maschinen. Ungewöhnlich ist das Doppelstück „En Atendant“ (24.8., Jahrhunderthalle), dessen erster Teil zu Sonnenuntergang und der zweite beim Sonnenaufgang zu sehen ist.
Hochkarätig besetzt sind einige Konzerte: Kent Nagano dirigiert das Mahler-Chamber-Orchestra in einem Charles-Ives-Abend (1.9., Jahrhunderthalle), die Bochumer Symphoniker spielen Ligetis „Atmospheres“ in der Jahrhunderthalle (9.9.). Die Halde Haniel ist wieder Triennale-Spielort und am 18.8. Schauplatz eines Nachkonzerts (21.40 bis 2 Uhr) mit Schlagzeugern aus dem Revier.
Triennale für Kinder
Neu ist die „no education“-Reihe, die junges Publikum an das Festival binden will – ohne Zeigefinger, aber mit einer Kinderjury.
- Beteiligt sind rund 900 Künstler aus 30 Ländern. Ein Drittel davon sind Künstler aus der Region.
- Der Kartenvorverkauf hat gestern begonnen: Tel. (0700) 20 02 34 56












