Aalto Oper Essen: "Lulu" ist ein Model nach Männergeschmack
ESSEN Nach der Uraufführung der unvollendeten, zweiaktigen Fassung von Alban Bergs "Lulu" 1937 in Zürich dauerte es infolge der Zwölftonmusik-feindlichen Nationalsozialisten und deren Nachwirkungen bis 1953, ehe die Oper in Essen ihre deutsche Erstaufführung erlebte. Am Samstag kehrte sie nun nach Essen zurück - und auch wiederum in der zweiaktigen Fassung. Das immer noch selten gespielte Werk geriet dabei zum Triumph für Sänger, Musiker und das Inszenierungsteam.
Lulu (Julia Baue) und ihr Dompteur (Heiko Trinsinger). (Foto: Beu)
Künstlerdrama
Optischer Rahmen für Hilsdorfs mit schauspielhaft-lebendiger Personenführung entwickeltes Künstlerdrama ist ein nur leicht variierter Einheitsraum, ein Altbauatelier mit großformatigen Kunstwerken und hohen Außenmauern (Bühne: Johannes Leiacker). Die Umbauten zwischen den durch Orchesterzwischenspiele verbundenen Bildern der Oper erfolgen nicht nur hinter geschlossenem Vorhang, sondern werden zugleich durch Videoprojektion vor Augen geführt.
Dabei kommt es zuletzt zu einer Sinn erhellenden Verschiebung: Wie in der Oper selbst passen Sein und Schein nicht mehr zusammen. Auf der Bühne wird Maler Walter Schwarz Lulu die Kehle durchschneiden, obwohl er das doch lange vorher schon bei sich selbst getan hat...
Überzeugende Solisten Bewundernswerterweise stemmt das Aalto Theater Bergs "Lulu" fast ganz mit eigenen Kräften. Von den zwölf ausnahmslos zu lobenden Solisten kommen bis auf die in Chemnitz engagierte Julia Bauer alle aus dem Aalto-Ensemble.Heiko Trinsinger als Dr. Schön und Thomas Piffka als dessen Sohn Alwa sind hier besonders zu erwähnen. Und Opernchef Stefan Soltesz steht selbst am Dirigentenpult. Er findet mit seinen Essener Philharmonikern den perfekten - und vom Publikum auch besonders gewürdigten - Ausgleich zwischen analytischem und klangsinnlich-berauschendem Musizieren.
Termine: 26., 28., 31.1.; Karten: Tel. (02 01) 8 12 22 00.












