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Medienhaus Lensing
31.03.2010 19:00 Uhr
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Rüttgers-Vorstoß: Singen ist wichtiger als Rettung des deutschen Liedes

DORTMUND "Rettet das Volkslied" heißt die Aktion, die NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers in unserer Zeitung angekündigt hat. Aber muss das deutsche Volkslied überhaupt gerettet werden? "Ja. Das Volkslied ist in Gefahr", sagt Torsten Mosgraber vom Dortmunder Festival Klangvokal. "Nein", meint Michael Fischer vom Deutschen Volksliedarchiv in Freiburg. "Diese Initiative zeigt doch, dass man es nur noch künstlich am Leben erhält." Von Bettina Jäger

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Jürgen Rüttgers singt gerne. Aber sind es auch deutsche Volkslieder? (Foto: dpa)

Etwas verblüfft reagierte gestern der Landesmusikrat NRW auf das Interview. Denn an konkreten Ideen zur Verwirklichung der Pläne wird gerade gearbeitet. "Das ist noch alles ganz frisch", sagt Sprecherin Eva Luise Roth. Rüttgers' Idee hatte dort positive Resonanz gefunden. "Das sind schöne Texte und tolle Melodien", meint Roth. Doch wie so viele Experten betont sie, es müsse nicht immer "Am Brunnen vor dem Tore" sein. Es sei ebenso in Ordnung, wenn Kinder die "Jahresuhr" von Rolf Zuckowski trällern. Roth: "Das Singen muss im Mittelpunkt stehen."

Texte heute unbekannt

Ein Fan deutscher Volkslieder ist Torsten Mosgraber, Direktor des Festivals Klangvokal. "Der Musikgeschmack hat sich allerdings geändert", weiß er. "Die Menschen kennen die Texte der Volkslieder nicht oder verstehen sie nicht mehr". Um so wichtiger sei es, die Lieder zeitgemäß zu arrangieren. Volkslieder werden auch das riesige "Fest der Chöre", das am 5. Juni in der Dortmunder Innenstadt stattfindet, eröffnen.

Im Alltag nicht relevant?

Eine Lanze für den Gesang bricht seit 1949 die "Klingende Brücke". Die Münsteranerin Sigrid Stadler gehört zum Vorstand der Gesellschaft, und sie sieht den Rüttgers-Vorstoß kritisch. "Was nützt das Volkslied, wenn nicht mehr gesungen wird?" fragt sie. "Früher sang man bei allen Gelegenheiten. Heute sind wir an einer Grenze angelangt, an der überhaupt nicht mehr gesungen wird." Die Beschränkung auf deutsches Liedgut lehnt der Verein ab - dort wird in allen Sprachen gesungen. Stadler: "Singen in der Gemeinschaft ist ein tragendes Element. Der Menschen fühlt sich eingebettet." Die Klingende Brücke lädt darum zu "Enkeltreffen" ein, bei denen alle Generationen gemeinsam singen.

"Musikunterricht ist sinnvoller"

Nicht nur kritisch, sondern völlig ablehnend steht Michael Fischer vom Deutschen Volksliedarchiv in Freiburg der Idee von Rüttgers gegenüber. "Das Volkslied ist doch im Alltag gar nicht mehr relevant", so der Historiker. "Heute kennen die Menschen Udo Jürgens oder Nena." Es sei bildungspolitisch sinnvoller, den Musikunterricht zu fördern.

Wer Lust aufs Singen bekommen hat: Das nächste "Enkeltreffen" der Klingenden Brücke findet vom 2. bis 6. Juni in Bad Berleburg statt. Näheres bei Sigrid Stadler unter Tel. (0251) 2 10 00 76.




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