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Medienhaus Lensing
04.02.2010 12:35 Uhr
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Kölner Schauspielhaus: Todessehnsüchtiger Revolutionär in "Dantons Tod"

KÖLN "Die Revolution frisst ihre Kinder", heißt es in Georg Büchners Drama "Dantons Tod". In Laurent Chétouanes Inszenierung im Kölner Schauspielhaus hat die Revolution ihre Kinder so mürbe gemacht, dass sie ihr auf der Zunge zergehen. Von Sascha Westphal

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Devid Striesow und Sigal Zouk in "Dantons Tod". (Foto: Fantitsch)

Patrick Koch hat die ganze Bühne mit elfenbeinfarbenen Stoffbahnen verhüllt. Ein halbhoher, nicht ganz bis zum Boden reichender schwarzer Vorhang teilt sie in zwei Bereiche: die Spielfläche, auf der rechts eine Guillotine wartet, und das Jenseits, aus dem zu Beginn vier Tänzerinnen und vier Schauspieler treten. Mehr Personal braucht Chétouane für seine radikal entkernte Version des Stückes nicht.

Zeitlosigkeit

Zunächst gehen die Acht einfach herum, schlackern ihre Arme aus und machen Lockerungsübungen. Ihre Körper müssen sich aufwärmen, bevor sie ihre Rolle ausprobieren. Mit der Zeit schlüpfen die Acht dann immer weiter in Büchners Figuren hinein, nur ganz eins werden sie nie mit ihnen. Chétouane lässt sie bis zum bitteren, aber auch poetischen Ende eine analytische Distanz zu ihren Charakteren wahren. Die Bewegungen ihrer Körper und die Worte Büchners reiben sich aneinander wund.

In Chétouanes Augen findet das Drama Dantons immer statt. Es erweist sich als Zeugnis einer existentiellen, niemals verheilenden Blessur. Das verleiht der Aufführung etwas Quälendes, aber auch eine erschreckende Zeitlosigkeit. Devid Striesows melancholisch-verlorener Danton und Robert Gwisdeks zerbrechlich-zarter Camille Desmoulins sind wie auch Maik Solbachs Robespierre und Renato Schuchs Saint Just, die beide nur einmal in Erscheinung treten und dabei überhaupt nicht den Erwartungen an revolutionäre Rhetorik gerecht werden, durch und durch moderne Gestalten.

Kein hohles Pathos

Ganz in Büchners Sinne verweigert sich das Ensemble jedes hohle Pathos. Mit ihren Körpern und Stimmen erwecken sie Puppen zum Leben, die zwar ihre eigenen Fäden in der Hand halten, aber ihrem Schicksal trotzdem nicht entrinnen können - dafür sind sie viel zu müde. Das Leben lastet mit einer bleiernen Schwere auf ihnen. Einen derart todessehnsüchtigen Revolutionär wie Devid Striesow hat man noch nicht gesehen.


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