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Medienhaus Lensing
07.02.2010 14:35 Uhr
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Schauspiel Köln: Vom Kapital deformierte Welt in "Mentallica"

KÖLN Es wächst nicht zusammen, was eigentlich auch kaum zusammengehört. So könnte das Motto von "Mentallica", dem Projekt von Tom Kühnel und Jürgen Kuttner im Schauspiel Köln, lauten. Von Sascha Westphal

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Szene aus »Mentallica« mit (v.l.) Andreas Grötzninger, Jürgen Kuttner und Robert Dölle. (Foto: Baltzer)

Für die letzte Produktion in der Schlosserei des Schauspiel Köln - auch diese Spielstätte fällt dem Abriss des Schauspielhauses zum Opfer - haben Kühnel und Kuttner zusammen mit der Puppenspielerin Suse Wächter ein groteskes Endspiel des freien Markts ersonnen. Egon Monks Erzählung "Industrielandschaft mit Einzelhändlern" trifft auf Joe Berlingers und Bruce Sinofskys Rock-Dokumentation "Metallica: Some of Monster".

Assoziationsraum

Die Erzählung vom Niedergang eines kleinen Drogisten, der Ende der 1960er Jahre den Kampf gegen die Konzerne verliert, und das intime Porträt einer Band in der Krise haben schon für sich genommen etwas extrem Irritierendes. Doch zusammen erweisen sie sich als veritables Horrorszenario einer von den Kräften des Kapitals deformierten Welt.

Kühnel und Kuttner versuchen nie, ihre Vorlagen gewaltsam in Einklang zu bringen. Sie überlagern sie vielmehr in einer Art theatralen Doppelbelichtung, so dass zwischen ihnen ein spannungsreicher Assoziationsraum entsteht. In pointierten Szenen, die durch Suse Wächters bizarre Puppen zudem einen Hauch Horror-Comic-Atmosphäre verströmen, erzählen sie vom Wahnsinn der letzten 40 Jahre.

Egomanische Rockstars

Paul Faßnacht, Andreas Grötzinger und Robert Dölle sind Mentallica. Später wird Jürgen Kuttner als neuer Bassist zu ihnen stoßen. Aber zunächst müssen sie mit Hilfe einer Psychotherapeutin (Suse Wächter) wieder zusammenfinden. Faßnacht, Grötzinger und Dölle sind grandios als egomanische Rockstars. Den Größenwahn der Metallica-Mitglieder überspitzen sie nur ein wenig und offenbaren so die Absurdität des Millionengeschäfts Rockmusik.


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