Konzerthaus Dortmund: Yundi Lis spätes Dortmund-Debüt
DORTMUND Vier Mal hat Yundi Li das Publikum in der Region versetzt: Zwei Mal hat er im Konzerthaus Dortmund abgesagt, dann in Münster und beim Klavier-Festival Ruhr. Am Freitag war er da, spielte im Dortmunder Konzerthaus ein Chopin-Programm zum 200. Geburtstag - erstaunlich, wie wenig das berührte.
Yundi Li spielte Chopin ganz zart im Konzerthaus Dortmund. (Foto: Deutsche Grammophon)
Zeitlupen-Klavierspiel, das im Pedal-Nachhall schwamm, pflegte der 27-Jährige in Chopins Nocturnes. Das war mehr Tai-Chi am Klavier, Wohlfühl-Musik statt Form, die nachvollziehbar ist.
Jüngster Sieger
Das Andante spianato und die Grand Polonaise brillante op. 22 sind Bravourstücke der Pianisten. Gelegentlich blitzte da eine Lust am funkelnden Klang auf, mehr wandelte Yundi dort aber auch auf Pogorelich' Spuren.
Der Chinese wurde als 18-Jähriger jüngster Sieger in der Geschichte des berühmten Warschauer Chopin-Wettbewerbs. Er ist ein Pianist geblieben mit einem schlichten, schönen Spiel, das im Salon zu Hause ist und an zartes chinesisches Porzellan erinnert, dem Tastenzauber aber fehlt.
Tastentänzchen In den Mazurken wagte er expressivere Tastentänzchen, etwas glühender klang auch die Polonaise "Heroique", in der man auch die sichere Technik des Chinesen hörte. Traumschön war der Mittelteil des Trauermarsches der b-Moll-Sonate; zu dem passte Yundis introvertiertes Spiel.Mit einer Liszt-Bearbeitung eines Schubert-Liedes und den "Sunflowers" aus China dankte Yundi lyrisch-poetisch. Ein Chopinist ist er schon: Er erinnert mit seinem Schöngeist und seiner sensiblen Gestaltungsweise an den zerbrechlichen Romantiker.












