DORTMUND Eine Traumkarriere hat Andris Nelsons gemacht. Mit 30 Jahren wurde er Chef des berühmten City of Birmingham Orchestra (CBSO), im Juli gibt er mit dem "Lohengrin" sein Debüt in Bayreuth. Vorher, am 22. März, kommt er mit dem CBSO ins Konzerthaus Dortmund. Julia Gaß sprach mit dem 31-jährigen Letten.
Von Julia Gaß
Mit dem Ring in Riga hatten sie vor vier Jahren Ihren großen Durchbruch. Ab Juli dirigieren Sie den "Lohengrin" in Bayreuth und sind einer der jüngsten Dirigenten auf dem Grünen Hügel. Haben Sie damit gerechnet, so früh Ihr Bayreuth-Debüt zu geben?
Nelsons: Nein, das hab ich nicht erwartet. Ich bin ja schon vor drei Jahren gefragt worden. Vielleicht war der Ring in Riga der Grund. Mir ist Wagner wichtig, ich bin sehr glücklich, dass ich im Wagner-Zentrum Bayreuth dirigieren darf.
Hans Neuenfels ist der Regisseur, Jonas Kaufmann singt die Titelpartie und Annette Dasch, die in Dortmund "Junge Wilde" war, die Elsa. Haben Sie mit ihnen schon gearbeitet?
Nelsons: Nein, aber es sind fantastische Sänger. Ich kenne aber 60 Prozent der Orchestermusiker aus anderen Orchestern. Das hilft mir. Bayreuth ist eine sehr große Erfahrung für mich.
Sie haben einmal gesagt, wenn eine Musik kein Programm hat, denken Sie sich eine Geschichte dazu aus. Sie wollen Geschichten erzählen mit Musik. Was haben Sie sich für Tschaikowskys fünfte Sinfonie ausgedacht?
Nelsons: (lacht) Die Geschichte von Tschaikowskys Leben, seine Freude, sein Gefühl, seine Träume. Und die sind auch dramatisch, aber es eine versteckte Dramatik. Der erste Satz ist für mich wie eine Erinnerung. Dann kommt die Dramatik und zerstört die Freude. Es ist eine Geschichte von Hoffnung, Erinnerung, Freude und im zweiten Satz von Illusion.
Ihre preisgekrönte Tschaikowsky-CD ist ein Glücklichmacher. Warum hat vorher kein Dirigent mit dem CBSO Tschaikowsky auf CD aufgenommen?
Nelsons: Das weiß ich nicht. Simon Rattle hat fantastische Aufnahmen gemacht, nur nie mit Tschaikowsky und Richard Strauss. Ich liebe Tschaikowsky sehr, seine Musik ist so menschlich und gar nicht sentimental, nicht so, wenn man Honig und Zucker zusammenrührt. Man muss zeigen, wie schön Tschaikowskys Musik ist, dann klingt sie süß.
Karten: Tel. (0231) 22 69 62 00.