Ausstellung Josef Hendel: Jeanne d'Arc tanzt
MÜNSTER Das Pferd von Don Quichotte bäumt sich auf, der Reiter umklammert mit seinen dünnen Beinchen den Leib des Tieres. Neben ihnen, nur wenig größer, ein Kirchturm mit Uhr. Und ein Federstrich-Dickicht, in dem sich Figuren befinden. Irgendwo da drin ist Sancho Pansa. Unheimlich und wild ist die Szene, die Josef Hendel (1897-1993) auf Papier brachte. 60 seiner mystischen Federzeichnungen sind ab Donnerstag in der Bezirksregierung Münster zu sehen.
Zeichung von Josef Hendel (Foto: Sabine Müller)
Hier fand Josef Hendel auch künstlerisch sein Zuhause. Die Gemeinde erwarb im Jahr 1991 alle noch im Besitz des Künstler befindlichen Werke. Über 1500 waren es. Überwiegend Federzeichnungen, aber auch Holzschnitte, die in den 1920er Jahren für Aufsehen gesorgt hatten, Radierungen, Aquarelle und Ölgemälde. Hendel war so angetan und beruhigt, sein Werk in guten Händen zu wissen, dass er der Gemeinde auch seinen Nachlass anvertraute. Dieser wird in Neuenkirchen im „Hendel-Zimmer“ aufbewahrt.
Die Bilder in der Schau „schwarz auf weiß“ lassen ahnen, wie reich Hendels Fantasie war. Eigentümlich sind sie alle. Es gibt düstere und verstörende Szenen aus den 50er und 60er Jahren, in denen er anscheinend seine Kriegserlebnisse verarbeitete. In „Die feindlichen Brüder“ oder „Zimmer Nr. 97“ sieht man Leid, Qual und Gewalt in den Blicken der Menschen, in den wilden Strichknäueln sind deutlich Waffen zu erkennen.
Meisterhafter Strich
Hendels Strichführung ist meisterlich. Man erkennt das Kunststudium, das er 1923 in München begann, man sieht, dass er bei Meistern in die Lehre gegangen ist. Immer wieder tauchen auf den Bildern dichte, fast chaotische Strichballungen auf, in denen der Künstler Figuren versteckt, die man meist erst auf den dritten Blick erahnt. Doch selbst auf den feinen, nur mit wenigen Umrissen gestalteten Szenen bleibt ein gewisses Maß an Unsicherheit, was für Motive das eigentlich sind, in welchen Gedankenwelten der Künstler dort forscht.
Fasziniert haben ihn auf jeden Fall starke Frauen. Jeanne d‘Arc tanzt bei ihm entrückt mit entblößter Brust und, so ahnt man, gelöstem Strumpfband. Hendel hat sie in dem Moment „nach den Visionen“ eingefangen. Schon in der Pubertät erschienen der französischen Nationalheldin Heilige.
Passend dazu hängt direkt daneben die heilige Bernadette, die ebenfalls schon als Mädchen eine Marienerscheinung hatte. „Bernadette sieht die Dame entschwinden“ zeigt eine Gestalt von hinten, von rätselhaften Kreisen umgeben. Auf einem anderen Bild scheint Bernadette in einer Kirche zu schweben: „Bernadette in den Zangen des Klerus“.
Halbes Frauenantlitz
Wunderschön ist die Zeichnung „Die Phalanx“. Dem Porträt des Bildhauers Tilman Riemenschneider (1460-1531) stellt er ein nur halb fertiges Frauenantlitz an die Seite. „Eva“ und „1493“ steht auf dem Blatt. Riemenschneider schuf 1493 eine Eva-Skulptur für die Würzburger Marienkapelle. Vielleicht symbolisiert das leere Gesicht die Züge der Eva, die Riemenschneider so lange für seine Plastik suchte. Oder Hendel verweist auf den nach innen gekehrten Blick, der die Figuren des Bildhauers so besonders macht.
Bis 17. Februar, Eröffnung Do (1.2.), 17 Uhr. „Schwarz auf weiß“, Bezirksregierung Münster, Domplatz 1-3, Mo bis Fr 8 .30 - 16.30 Uhr.











